Individuelle Gestaltung von Solarpanels

21.03.2017

Eine neue Technik erlaubt es, Solarpanels nachträglich individuell zu gestalten, ohne deren Leistung wesentlich zu beeinträchtigen. Dabei gehen die Möglichkeiten weit über farbige Panels hinaus und erlauben quasi jedes erdenkliche Muster: kariert oder gestreift, Strukturen, Imitate, Bilder oder Schriftzüge. Entwickelt wurde die Technik von einem Team aus drei Basler KMU und der FHNW, koordiniert von ENERGIE IMPULSE Region Basel des Gewerbeverbandes Basel-Stadt. Unterstützt wurde das Projekt vom Bundesamt für Energie und weiteren Partnern. Nun wird erstmals die Fassade eines Mehrfamilienhauses mit den individuell gestalteten Solarpanels versehen. Heute wurde die Innovation an der Medienkonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die limitierten Gestaltungsmöglichkeiten von Solarpanels werden von Architekten und Bauherren als grosse Hürde bezeichnet, die den verbreiteten Einsatz an Baukörpern von Wohn- und Geschäftshäusern verhindern. Zwar werden Solarpanels immer billiger, jedoch bieten die Hersteller bezüglich Design bisher wenig befriedigende Alternativen an.

INNOVATIVES HANDWERK

Die Grundidee des Basler Projektteams ist es, marktgängige Panels zu verwenden und deren Oberfläche erst nachträglich zu bearbeiten, statt neue Panels zu produzieren. Das Basler Vorgehen unterscheidet sich damit grundlegend von anderen Verfahren, die mit farbigen Gläsern, Aufdrucken und Beschichtungen arbeiten und die in den Produktionsprozess eingreifen. Mittels eigenentwickelter Sandstrahltechnik und anschliessendem Einfärben mit semitransparenten Farben kann nun praktisch jedes Design und jedes beliebige Muster erzeugt werden. Das Verfahren ist eine Kombination von innovativem Handwerk und industrieller Massenware.

GERINGE WIRKUNGSVERLUSTE

Die grösste Herausforderung war, die angestrebte Gestaltungsfreiheit samt vollständiger Farbpalette für Solarpanels zu erreichen und mit der Technik der Oberflächenbehandlung abzustimmen, ohne dass die Leistung der bearbeiteten Panels allzu sehr eingeschränkt wird. Investoren und Architekten würden gemäss einer eigenen Umfrage zu Gunsten der Gestaltungsfreiheit bis zu 30 Prozent Leistungsverlust akzeptieren. Nach eineinhalb Jahren Entwicklungsarbeit und einigen Rückschlägen können wir diesen Ansprüchen gerecht werden.

Rund zehn Grunddesigns und vier Farbtypen wurden je an vier verschiedenen, auf dem Markt verbreiteten Solarpanels getestet. Bei einem mehrwöchigen Test unter freiem Himmel lagen die Ertragswerte der ersten Testserien im Vergleich zu unbehandelten PV-Modulen je nach Farbe nur gerade 10 bis 20 Prozent tiefer. Mit einzelnen Mustern konnten je nach Deckungsgrad der Oberflächenbehandlung Werte im Bereich von nur 5 bis10 Prozent Minderung erreicht werden.

PRAXISTEST AN MEHRFAMILIENHAUS

Nun wird erstmals die Fassade eines Mehrfamilienhauses an der Dornacherstrasse 109 in Basel mit den individuell gestalteten Solarpanels versehen. Diese Versuchsphase soll Aufschluss zum Langzeitverhalten geben und wird vom Amt für Umwelt und Energie Basel-Stadt mit unterstützt. Auch das Bundesamt für Energie unterstützt das Projekt im Rahmen seines Pilot- und Demonstrationsprogramms.

WEITERE INFORMATIONEN

Arbeitsgemeinschaft Solarglaslabor:

Markus Bloch, Architekt und Projekteigner, raumweg gmbh

Martin Gruber, Koordination und Medien, ENERGIE IMPULSE Region Basel

Marc Weidmann, Glasexperte und Künstler

Dominik Müller, Solarspezialist, Solvatec AG

Prof. Dr. Achim Geissler, FHNW Institut für Energie am Bau

Auskunft:

Martin Gruber, Leiter ENERGIE IMPULSE Region Basel, Telefon 061 227 50 36