Bedeutung der «Familienlädeli» bekannter machen

30.05.2017

Unter der Bezeichnung «IG Familienbetriebe» wurde am 24. Februar 2017 in Basel ein Verein gegründet, der zum Ziel hat, «die grundlegenden Interessen von Familienbetrieben im Detailhandel sowie im Dienstleistungsbereich gegenüber der Politik und der Gesellschaft wahrzunehmen und ihre Bedeutung sichtbar zu machen». Ein Gespräch mit dem Präsidenten Bozidar Nikolic.

Bozidar Nikolic, Präsident der neugegründeten Interessengemeinschaft Familienbetriebe.

«kmu news»: Herr Nikolic, wie kam es zur Gründung der IG Familienbetriebe?
Bozidar Nikolic: Bei der GGG Migration und beim Gewerbeverband Basel-Stadt haben sich immer wieder Inhaber von Familienbetrieben gemeldet, die Fragen zur rechtlichen Situation ihrer Betriebe, zu Bewilligungen, etwa für die Zufahrt in die Innenstadt oder für die Nutzung von Allmend, hatten. In Zusammenarbeit mit dem Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Basel-Stadt wurde darum im Frühjahr 2016 eine Informationsveranstaltung organisiert. An diesem Anlass ist die Idee entstanden, dass wir uns zusammenschliessen sollten, um unsere gemeinsamen Interessen zusammen zu vertreten.

Die Geschäfte ermöglichen flexibles Einkaufen vor Ort statt im grenznahen Ausland und bieten der Kundschaft zusätzliche Dienstleistungen an, wie etwa Hauslieferdienste.

Was muss man sich unter «Familienbetrieben» vorstellen?
Das sind in erster Linie Lebensmittelgeschäfte, die von ihren Besitzern selber geführt werden. Im Kanton Basel-Stadt gibt es davon mehr als 200. Die Spannweite geht vom kleinen Quartierlädeli bis zu Partnerbetrieben von Grossverteilern. Sie erfüllen eine wichtige Funktion für die lokale Versorgung der Bevölkerung. Das Gesetz gesteht ihnen erweiterte Öffnungszeiten zu, sofern die Inhaber oder genau definierte Familienmitglieder ausserhalb der ordentlichen Öffnungszeiten im Laden arbeiten. Die Geschäfte ermöglichen flexibles Einkaufen vor Ort statt im grenznahen Ausland und bieten der Kundschaft zusätzliche Dienstleistungen an, wie etwa Hauslieferdienste.

Welche Ziele hat die IG Familienbetriebe?
Die IG Familienbetriebe hat sich zum Ziel gesetzt, die Bedeutung der «Familienlädeli» bekannt zu machen und für mehr Akzeptanz und Unterstützung seitens der Behörden und der Politik für ihre Anliegen zu werben. Zudem will sie einen Beitrag zur Meinungsbildung bei gewerblichen und gewerbepolitischen Themen leisten und politische Aktivitäten zu Gunsten des Gewerbes mittragen. Besonders stolz sind wir, dass wir von der zuständigen Grossratskommission bereits zu einem Hearing betreffend Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten eingeladen worden sind.

Wo besteht zudem Handlungsbedarf?
Es ist für uns wichtig, dass Auflagen von den Behörden – etwa die Regelung der Beschäftigung ausserhalb der ordentlichen Ladenöffnungszeiten – streng kontrolliert und Missbräuche sanktioniert werden.

Wir glauben, dass wir unsere gemeinsamen Ziele am besten erreichen, wenn sich möglichst viele Gewerbetreibende zusammenschliessen.

Welche Aktivitäten plant die IG Familienbetriebe?
Wir haben bereits eine Checkliste zur einwandfreien Führung eines Familienbetriebs erarbeitet, die sich an bestehende Geschäfte richtet und unter www.familienbetriebe.ch abrufbar ist. Zudem planen wir einen Einführungskurs für Leute, die neu einen Laden eröffnen oder übernehmen wollen und wir wollen die Betriebe bei der Schaffung von Lehrstellen unterstützen. Mittelfristig soll es für unsere Mitglieder Poolingangebote geben, von denen sie profitieren können.

Warum sind sie Mitglied beim Gewerbeverband Basel-Stadt geworden?
Familienbetriebe stehen vor genau den gleichen Herausforderungen wie alle anderen Geschäfte, wenn es zum Beispiel um Fragen der Anlieferung, um Bewilligungen oder Einkaufstourismus geht. Wir glauben, dass wir unsere gemeinsamen Ziele am besten erreichen, wenn sich möglichst viele Gewerbetreibende zusammenschliessen. Zudem bietet der Gewerbeverband Basel-Stadt eine attraktive Palette von Dienstleistungen, die auch für unsere Mitglieder interessant ist.