UWP Sammelstiftung: «Wir bieten Speziallösungen»

07.11.2017

Die Pensionskassen Gewerbe Basel (PEGEBA) und PK Bau gehen per 1.1.2018 in die UWP Sammelstiftung über, die von der Beratungsgesellschaft für die zweite Säule AG (BERAG) geführt wird. Im Interview mit den «kmu news» spricht BERAG-Geschäftsführer Philipp Sutter über die Situation im Pensionskassenwesen und warum die UWP für die Zukunft gut gerüstet ist.

«kmu news»: Herr Sutter, was sind die grössten Herausforderungen für Pensionskassen heute?
Philipp Sutter: Drei Aspekte sind hier primär zu nennen. Erstens ist es deutlich schwieriger geworden, an den Finanzmärkten gute – sprich ausreichende – Anlagerenditen zu erzielen. Das ist zwar immer noch möglich, erfordert aber deutlich mehr Aufwand und Know-how als in der Vergangenheit. Zweitens ist auch die Informationsflut zu Anlagen, Vermögenswerten und -entwicklungen enorm gestiegen. Die Versuchung, kurzfristig zu reagieren, ist gross. Aber ich bin überzeugt, dass man nur dann erfolgreich wirtschaftet, wenn man sich nicht beirren lässt und an der definierten Strategie und den langfristigen Anlagezielen festhält. Und drittens werden die Regulierungen und die Gesetzesgrundlagen komplizierter und umfangreicher.

Eine viel genannte Herausforderung ist auch die Digitalisierung. Wie wird diese das Pensionskassengeschäft verändern?
Die Digitalisierung ist auch für Pensionskassen ein wichtiger Faktor. Sie gibt uns die Möglichkeit, die Kommunikation und Information gegenüber Versicherten und Arbeitgebern massiv zu verbessern. Der Grundsatz, nahe beim Kunden zu sein, schreiben sich viele Unternehmen auf die Fahne. Dank der Digitalisierung können wir dies nun auch wirklich umsetzen. Die UWP hat dazu eine App entwickelt und ab 2018 steht den angeschlossenen Unternehmen ein modernes Webportal zur Verfügung, mit dem praktisch alle Pensionskassengeschäftsvorfälle selbständig abgewickelt werden können. Vergleichbare Digitalisierungsoffensiven anderer Pensionskassen sind mir nicht bekannt.

Das heisst, Unternehmen werden bei uns nicht in bestehende Angebote gepresst, sondern die Lösung wird den Kundenbedürfnissen angepasst. Das ist unser Ansatz.

Wie positioniert sich die UWP Sammelstiftung im umkämpften Pensionskassenmarkt?
Wir verstehen uns als Lösungsplattform für die berufliche Vorsorge. Das heisst, Unternehmen werden bei uns nicht in bestehende Angebote gepresst, sondern die Lösung wird den Kundenbedürfnissen angepasst. Das ist unser Ansatz. Natürlich gibt es gesetzliche Vorgaben, an die wir uns halten müssen, aber darüber hinaus zeichnet sich unser Angebot durch eine hohe Flexibilität aus. Dank der hohen Automatisierung verursacht diese Flexibilität keine Zusatzkosten.

Was heisst das konkret?
Firmen haben ganz verschiedene Voraussetzungen, je nach Verhältnis von Aktiven und Rentnern, der Branche und der finanziellen Situation. Wir führen bei uns verschiedene separate Anlagepools, welche auf die verschiedenen Bedürfnissen und Voraussetzungen von angeschlossenen Firmen zugeschnitten sind. Pro Unternehmen wird ein Vorsorgewerk eingerichtet (Sammelstiftung). Alle Vorsorgewerke profitieren aufgrund der Grösse der UWP von geringeren Kosten dank Skaleneffekten und den optimierten Anlageerträgen.

Warum bieten das nicht mehr Pensionskassen auch an?
Ich nehme die Pensionskassenbranche historisch bedingt als relativ statisch und wenig kreativ wahr. Ich komme ursprünglich aus der Strategieberatung für Unternehmen und Konzerne und war vor rund zehn Jahren ein Quereinsteiger. So konnte ich mit einer gewissen Aussensicht neue Lösungsansätze einbringen.

Es ist gelungen, uns am Markt als Anbieter von Speziallösungen zu positionieren.

Wie hat sich die UWP Sammelstiftung in den letzten zehn Jahren entwickelt?
Die UWP gibt es seit 25 Jahren. In den letzten zehn Jahren konnte sie das Volumen vervierfachen; von 300 Millionen Franken auf 1,2 Milliarden Franken. Die UWP Sammelstiftung hat sich auch auf die Übernahme kleinerer Pensionskassen spezialisiert. In der Schweiz gibt es vergleichsweise sehr viele Pensionskassen und vor allem viele kleine Pensionskassen. Die Abnahme dieser Zahl – sprich: der Konsolidierungsprozess unter den Pensionskassen – in diesem Bereich ist seit 15 Jahren im Gang und wird noch weitergehen. Es ist gelungen, uns am Markt als Anbieter von Speziallösungen zu positionieren. Deshalb waren wir beispielsweise auch für die PK Bau, die eine spezielle Struktur aufweist, als neuer Vorsorgepartner attraktiv.

Waren diese Speziallösungen der Hauptgrund, warum die PEGEBA und die PK Bau in die UWP Sammelstiftung übergehen?
Das war sicher zentral. Ausserdem hat die UWP – obwohl national tätig – einen historischen Fokus auf der Nordwestschweiz. Hinter der PEGEBA und der PK Bau steht mit dem Gewerbeverband Basel-Stadt ein grosser regionaler Verband und starker Partner. Dieses Netzwerk ist auch für die UWP attraktiv, um sich als Partner für regionale KMU zu positionieren.

Was bedeutet der Übergang zur UWP für die Firmen, die der PEGEBA und der PK Bau angeschlossen sind?
Sie haben den Vorteil, dass die Vorsorgeleistungen gleich bleiben und dass die UWP mit tieferen Kosten operieren kann. Aufgrund der Grösse können wir den Versicherten auch weitergehende Dienstleistungen anbieten. Neben den bereits erwähnten digitalen Tools können unsere Fachleute die Unternehmen bei Fragen zur Steuer- und zur Nachfolgethematik sowie bei juristischen Anliegen, beispielsweise bei Personalfragen, beraten.

Wo steht die UWP in zehn Jahren?
Ich bin überzeugt, dass unsere Lösungsplattformen weiterhin so gut nachgefragt werden wie jetzt und dass die UWP weiterhin stark wachsen wird. Anlagebewirtschaftung, Digitalisierung, Information, Kommunikation und Transparenz werden weiterhin wichtige Themen sein. Rückblickend werden wir in zehn Jahren hoffentlich feststellen können, dass wir unseren Versicherten eine überdurchschnittliche Verzinsung geben konnten.

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