Interview: «Zukunft wird elektrisch»

11.04.2019

Die Idee, dass KMU elektrisch betriebene Fahrzeuge eine Woche kostenlos testen können, stammt ursprünglich von Christoph Keigel. Der Inhaber der Garage Keigel ist überzeugt: «Elektromobilität muss man erfahren.»

«kmu news»: Herr Keigel, Sie befassen sich schon lange mit dem Thema Elektromobilität.
Wie kommt das?
Christoph Keigel: Die Renault-Nissan-Allianz hat schon relativ früh entschieden, dass die Zukunft elektrisch sein wird. Wir hatten nie Hybrid-Typen im Angebot, sondern gleich auf rein elektrisch betriebene Fahrzeuge gesetzt. Diese haben wir konsequent promotet. So haben wir an jedem Standort Ladestationen. Heute machen wir fünf Prozent unseres Umsatzes mit Elektroautos.

Sie haben auch schon früher mehrtägige Probefahrten eingeführt, wie sie jetzt im Rahmen des Förderprojekts «Wirtschaft unter Strom» angeboten werden. Warum?
Aus den Erfahrungen mit der Kundschaft. Elektromobilität muss man im wahrsten Sinne des Wortes «erfahren». Sprich, ausprobieren über mehrere Tage, um zu sehen, wie einfach es ist. Der Grossteil unserer Kunden, die ein Elektroauto testen, sind begeistert. Wir müssen das Erlebnis promoten. Auch bei Unternehmen. Bei KMU ist es besonders wichtig, dass sie die Fahrzeuge zuerst im Betriebsalltag testen können. So können allfällige Vorurteile abgebaut werden.

Wie beispielsweise die Angst vor der geringen Reichweite?
Ja. Bei Personenwagen ist die Reichweite mit heute über 300 Kilometern effektiver Reichweite kein Problem mehr. Nutzfahrzeuge und kleine Lieferwagen hatten bisher eine geringere Reichweite von gut 100 Kilometern pro Ladung. Aber nun sind die Modelle mit den neuen Batterien auf dem Markt und damit steigt die Reichweite auch auf über 200 Kilometer. Das reicht längstens. Für stadtnahe Betriebe sowieso.

Warum soll ein Unternehmen auf Elektromobilität umsteigen?
Ich bin überzeugt, dass Unternehmen in Städten längerfristig nicht darum herumkommen werden. Der Druck wird zunehmen, so dass langfristig beispielsweise die Zufahrt zu Zentren nur noch mit elektrisch betriebenen Fahrzeugen möglich sein wird. Dass die KMU ihre Dienstleistungen in der Stadt mit dem Cargo Bike erbringen können, ist realitätsfremd. Ein Renault Kangoo beispielsweise hat ein Ladevolumen von 4m3 und 650 Kilogramm Nutzlast. Ausserdem ist es für ein Unternehmen auch gute Eigenwerbung, wenn es auf eine saubere Mobilität setzt und ohne Emissionen zur Kundschaft fährt.

Wie sieht es mit den Kosten aus?
Die Anschaffungskosten sind im Moment noch höher als bei nicht-elektrischen Modellen. Aber mit dem Förderprogramm «Wirtschaft unter Strom» wird dieser Nachteil ausgeglichen oder zumindest verkleinert. Im Unterhalt und bei den Energiekosten sind Elektroautos ohnehin günstiger. Und zuverlässig. Auf die Batterie gibt es eine Garantiedauer von acht Jahren.