Interview sun21: «Es gibt immer noch viel zu tun»

15.07.2019

Der Nachhaltigkeits-Thinktank sun21 feiert sein 21-jähriges Bestehen. Im Interview blickt die Präsidentin von sun21, Esther Maag, auf die Gründung zurück und in die Zukunft.

«kmu news»: Esther Maag, vor 21 Jahren wurde sun21 gegründet. Wie ist sun21 entstanden und was will die Organisation genau?

Esther Maag: Ausschlaggebend für die Gründung war die «Anti-Atomkraft-Bewegung» in den 1970er-Jahren. Der Erfolg der Kampagne gegen das AKW Kaiseraugst war nicht das Ende der Bewegung, sondern der Anfang. Und zwar einer Organisation, die die Sonne – das Sonnenwerk – als Energiequelle ins Bewusstsein bringen wollte. Das Ziel war und ist, eine Energiewende herbeizuführen, die ökologisch, ökonomisch und sozial verträglich ist. Weg von nicht erneuerbaren Quellen wie Öl und Gas. Ich zitiere den Mitbegründer Martin Vosseler: «sun21 möchte die Energiewende zum Thema Nummer 1 in Politik, Wirtschaft und Bevölkerung machen und ein neues Energiebewusstsein festigen.» Bei der Gründung war übrigens auch Christoph Eymann, der damalige Direktor des Gewerbeverbands Basel-Stadt, dabei. Er hatte die Zeichen der Zeit erkannt.

Die Themen, die zur Gründung führten, sind heute doch «State of the Art» – AKW sollen stillgelegt werden, erneuerbare Energien sind mittlerweile angekommen. Was kann sun21 da noch beitragen?
Seit 1989 hat sich sun21 weiterentwickelt. Themen wie Ressourcenschonung, Stoffkreislauf und Suffizienz sind hinzugekommen. Die erneuerbaren Energien sind noch nicht dort, wo sie sein könnten – auch hier gibt es immer noch viel zu tun. Mit der Annahme der Energiestrategie 2050 in der Volksabstimmung vom Mai 2017 wurden im Grundsatz unsere Vision des Sonnenwerks und das Ziel der Energiewende bestätigt. sun21 wird sich weiterhin dafür einsetzen.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation?
Es findet ein Wandel statt; das nehmen wir wahr, nicht nur wegen der streikenden Schülerinnen und Schüler. Aber bis die CO2-Reduktion, wie sie die Energiestrategie vorgibt, erreicht ist, liegt noch ein langer Weg vor uns. Um hier einen weiteren Schub zu geben, hat sun21 das Festival Ziel Zukunft Biennale entwickelt. Die Ziel Zukunft Biennale findet dieses Jahr das erste Mal statt – das Motto «Gemeinsam die Welt von morgen gestalten» ist ein positiver Ansatz, den alle verstehen und zwar ohne Mahnfinger.

Was hat Sie vor sieben Jahren bewogen, Präsidentin von sun21 zu werden?
Ich kam von der grünen Parteipolitik. Für mich war der sorgfältige Umgang mit unseren Ressourcen schon immer ein Herzensanliegen. sun21 trifft für mich den Kern der Sache. Dafür wollte ich mich einsetzen.

www.sun21.ch