«Mehr Verbote sind keine Lösung fürs Gewerbe»

05.09.2019

Das Elektroinstallations- und Gebäudetechnikunternehmen ETAVIS Kriegel+Schaffner AG beschäftigt 740 Mitarbeitende. Die Verkehrssituation ist eine grosse Herausforderung, sagt Andreas Fiechter, Leiter Region Nord und Vizepräsident des Verbands Basler Elektroinstallationsfirmen. Es brauche konstruktive Lösungen, wie sie die «Zämme besser»-Initiativen fordern.

«kmu news»: Wie wichtig ist der Faktor der guten Erreichbarkeit für ein Unternehmen?
Andreas Fiechter: Die Erreichbarkeit ist zentral. Unser Standort ist zum Glück mit Zug, Bus und Tram sehr gut an den öffentlichen Verkehr angebunden. Das ist wichtig für unsere Mitarbeitenden. Fast noch wichtiger ist aber, dass wir unsere Kundschaft schnell erreichen können. Wir garantieren unseren Kunden eine kurze Interventionszeit, wenn Störungen gemeldet werden. Je schneller wir dort sind desto geringer ist der Schaden.

Andreas Fiechter, Leiter Region Nord bei ETAVIS Kriegel+Schaffner AG, und Vizepräsident des Verbands Basler Elektroinstallationsfirmen.

Wie haben sich die Zeitverluste auf dem Weg zur Kundschaft entwickelt?
Der Zeitverlust nimmt von Jahr zu Jahr zu. Der Weg zu den Kundinnen und Kunden wird länger. Grund dafür sind Staus, die stärkere Belastung der Strasse, Baustellen und die autofreie Zone in der Kernstadt, die man nur mit einer Bewilligung befahren kann. Die Einschränkungen nehmen zu. Ausserdem verschwinden immer mehr Parkplätze. Auch dadurch verlieren unsere Service-Mitarbeiter mehr Zeit, bis sie bei der Kundschaft sind.

Können Sie die Mehrkosten aufgrund der längeren Anfahrt den Kunden überwälzen?
Nein, als regionales Unternehmen ist das kaum möglich. Der Mehraufwand geht auf unsere Kosten.

Könnte Ihr Unternehmen die Servicetouren nicht mit Lastenvelos erledigen?
Die Ausrüstungen unserer 60 Servicefahrzeuge ist riesig. Wir müssen eine grosse Bandbreite an Werkzeug und Ersatzteile dabeihaben, damit wir die Störung effizient und wenn immer möglich, nur mit einmal hinfahren, beheben können. Das bringen wir nicht auf ein Cargo-Bike.

Wie wichtig sind Nachhaltigkeit und ökologische Aspekte für Ihr Unternehmen?
Das spielt eine grosse Rolle und wir engagieren uns stark in diesem Bereich. Wir unterstützen unsere Mitarbeitenden, wenn sie mit dem Öffentlichen Verkehr kommen, zum Beispiel mit Jobtickets. Wir stellen Ihnen E-Bikes zur Verfügung oder elektrisch betriebene Poolfahrzeuge. Zudem wollen wir unsere Fahrzeuge sukzessive auf elektrischen oder Wasserstoffantrieb umstellen. Der Individualverkehr bleibt aber wichtig für uns. Wir brauchen Fahrzeuge.

Wie nehmen Sie die Verkehrspolitik der letzten Jahre in Basel-Stadt war?
Mit der jetzigen Politik wird das Gewerbe langsam, aber sicher verdrängt. Dadurch werden die Anfahrtswege in die Stadt länger; das ist auch ökologisch nicht sinnvoll. Die Hauptprobleme sind der Parkplatzabbau, die zunehmende Stauzeit und generell die Einschränkungen für den motorisierten Individualverkehr. Alle Unternehmen im Verband der Basler Elektroinstallationsfirmen haben das gleiche Problem.

Was müsste sich aus Sicht der Wirtschaft ändern?
Es braucht ganzheitliche Lösungen und einen gemeinsamen Dialog. Deshalb begrüsse ich die «Zämme besser»-Initiativen. Diese sind wichtig fürs Gewerbe. Wir müssen Lösungen kreieren, die für alle passen. Noch mehr Verbote und Einschränkungen sind sicher der falsche Weg für das Gewerbe in der Stadt.

Es gibt Parteien, die behaupten, dass Einschränkungen des motorisierten Individualverkehrs eigentlich im Interesse des Gewerbes sind. Dadurch gebe es weniger private Fahrten und mehr Platz fürs Gewerbe.
Das sehe ich anders. Es wird immer Private geben, die auf das Auto angewiesen sind. Ich bezweifle, dass der Privatverkehr durch absichtliche Staus und andere Einschränkungen so zurückgehen, dass das Gewerbe mehr Platz hat. Wahrscheinlich geben früher die Unternehmen auf, weil sie zu viel Zeit und Geld verlieren. Dann besteht die Gefahr, dass noch mehr Firmen in die Nachbarkantone abwandern würden.