Die günstige Finanzierung für KMU

03.10.2019

Unternehmensgründung? Expansion? Nachfolgeregelung? Investitionen? Die BG Mitte, Bürgschaftsgenossenschaft für KMU, unterstützt Unternehmen bei der Realisierung ihrer Vorhaben. Die Kosten für das nötige Fremdkapital sind tiefer als bei einem reinen Blankokredit, wie Dieter Baumann, Leiter Aussenstelle Nordwestschweiz, im Interview erklärt.

«kmu news»: Was ist das häufigste Missverständnis, das Sie im Zusammenhang mit der Bürgschaftsgenossenschaft Mitte (BG Mitte) zu hören bekommen?
Dieter Baumann: Oft meinen die Leute, dass die BG Mitte Kredite vergibt, also ein Geldleihinstitut ist. Das ist aber falsch. Es stimmt zwar, dass wir in der Finanzierung von KMU tätig sind, aber das Geld leiht immer die Bank aus. Das Bürgschaftswesen bewegt sich im Zusammenspiel zwischen KMU und Bank. Es ist als Rückversicherer zu Gunsten der KMU tätig.

Wann kann eine KMU Bürgschaftsgenossenschaft beigezogen werden?
Wenn ein Unternehmen Kapital benötigt – zum Beispiel für eine Neugründung, Investitionen oder einen Liegenschaftskauf – und die Bank mehr Mittel oder Sicherheiten verlangt als der Unternehmer oder die Unternehmerin bringen kann. Dann kann eine Bürgschaft die Lösung sein. Konkret bürgt dann die Bürgschaftsgenossenschaft für einen Teil des Bankkredits und hilft, wenn nötig, auch bei der Suche eines passenden Finanzierungspartners.

Können Sie ein Beispiel machen?
Wenn ein Unternehmen eine neue Produktionsanlage im Wert von einer Million Franken kaufen will, dann verlangt die Bank beispielsweise 500000 Franken Eigenmittel. Das Unternehmen hat aber nur 100000 Franken. Dann kann sich die Bürgschaftsgenossenschaft für die restlichen 400000 verbürgen, damit die Bank den Kredit von gesamthaft 900000 Franken gewähren kann und damit die nachweislich sinnvolle Investition ausgelöst werden kann. Der verbürgte Teil des Kredits in der Höhe von 400000 Franken hat eine Laufzeit von maximal zehn Jahren, bei einer moderaten Risikoprämie von 1,25 Prozent pro Jahr. Da die Bank auf dem verbürgten Teil des Kredits das Risiko auslagert, kann sie dem KMU tiefere Zinsen anbieten als auf ungedeckten Krediten ohne Bürgschaft. Für das KMU ist das unter dem Strich eine attraktive Finanzierung.

Per 1. Juli 2019 ist die Bürgschaftslimite per Gesetzesänderung von 500000 Franken auf eine Million erhöht worden. Was bedeutet dies?
Aus unserer Sicht war das ein längst überfälliger Schritt. Wir sind froh, dass die Politik dem nun zugestimmt hat. Damit erhält das Bürgschaftswesen auch Zugang zu mittelgrossen Unternehmen. Der Finanzierungsbedarf und somit der Bürgschaftsbedarf übersteigt rasch eine halbe Million Franken, wenn sie nur schon an einen Liegenschaftskauf oder eine Nachfolgeregelung denken. Und die Banken sind tendenziell zurückhaltender geworden bei der Kreditvergabe, insbesondere was Neugründungen betrifft. Denn dort gibt es noch keine Erfahrungszahlen, die zur Risikoberechnung notwendig sind. Hier kann die BG Mitte helfen.

Wie entscheiden Sie, ob ein Unternehmen eine Bürgschaft erhält?
Natürlich analysieren auch wir – wie die Bank – die Zahlen, Businesspläne und Liquiditätspläne. Wichtig ist für mich immer auch der persönliche Eindruck. Ich gehe immer beim KMU vorbei und lerne den Betrieb und die verantwortliche Geschäftsführung vor Ort kennen. Sehr wichtig ist der Eindruck der Unternehmerin oder des Unternehmers. Können diese das Unternehmen zum Erfolg führen? Bei dieser Beurteilung hilft uns unsere langjährige Erfahrung. Den Entscheid über eine Bürgschaft fällt bei uns ein vierköpfiges Gremium. Das geht übrigens schnell. Nachdem ich den Bericht den entsprechenden Personen auf einer geschützten Intranet-Plattform verfügbar gemacht habe, entscheiden diese in nur wenigen Tagen.

Wie ist das Bürgschaftswesen in der Schweiz organisiert?
Seit der Restrukturierung des Bürgschaftswesens im Jahr 2007 gibt es in der Schweiz noch vier vom Bund anerkannte Bürgschaftsgenossenschaften für KMU. Die BG Mitte, die BG Ost/Süd, die Cautionnement Romand und die saffa Bürgschaftsgenossenschaft für Frauen. Wir decken mit der BG Mitte die Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Solothurn, Jura, Bern, Luzern, Obwalden, Nidwalden und das Fricktal ab. Wir als Aussenstelle Nordwestschweiz mit Sitz in Reinach sind für die Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft sowie das Fricktal und das Schwarzbubenland zuständig.

Wie hoch ist die Verlustquote?
Die ist derzeit erfreulicherweise sehr gering. 2018 betrug sie 0,6 Prozent, 2017 1,8 Prozent. Damit liegt die BG Mitte deutlich unter dem mit dem Bund vereinbarten, maximal tolerierten Wert von 4,5 Prozent. Der Bund übernimmt im Innenverhältnis eine Rückversicherung von 65 Prozent auf den verbürgten Positionen, die von den vier vom SECO anerkannten Bürgschaftsgenossenschaften eingegangen werden.

Wie sind Sie persönlich zum Bürgschaftswesen gekommen?
Ich war 16 Jahre bei PwC als Wirtschaftsprüfer tätig, bevor ich vor drei Jahren ins Treuhandbüro meines Vaters Urs Baumann eingestiegen bin. Er betreute bereits die Aussenstelle Nordwestschweiz der BG Mitte, und ich durfte dieses Mandat übernehmen. Das Bürgschaftswesen liegt sozusagen in der Familie. Interessanterweise hatte ich bereits vor 20 Jahren während des BWL-Studiums eine Diplomarbeit zur Restrukturierung des Bürgschaftswesen geschrieben. So schliesst sich der Kreis.

Wie wichtig ist die Schnittstelle der BG Mitte zum Gewerbeverband Basel-Stadt?
Diese ist historisch gewachsen und von grosser Bedeutung. Der Gewerbeverband Basel-Stadt hat einen direkten Draht zu den KMU, kennt deren Bedürfnisse und kann das Bürgschaftswesen bei den Unternehmen bekannter machen. Mit Philipp Spichty ist der Stellvertretende Direktor des Gewerbeverbandes Basel-Stadt im Verwaltungsrat der BG Mitte und Mitglied des Gremiums, welches die Bürgschaftsanträge bewilligt. Im Übrigen pflegen wir auch mit der Wirtschaftskammer Baselland enge Beziehungen.

Mehr Arbeitsplätze und Steuersubstrat

Bürgschaftsgenossenschaften tragen einen wesentlichen Teil zur Sicherung und Entstehung neuer Arbeitsplätze und von Steuersubstrat bei. 2018 betrug die Anzahl neuer Bürgschaften der BG Mitte 61 Dossiers. Das entspricht einem Gesamtbetrag von 17,1 Millionen Franken. So konnte die BG Mitte mithelfen, bei ihren KMU-Kunden ein Gesamtinvestitionsvolumen von etwa 60 Millionen Franken auszulösen. Rund 990 Arbeitsplätze konnten so nachhaltig gesichert oder neu geschaffen werden. Gesamthaft sind aktuell 300 Dossiers im Bestand. Dank der Tätigkeit der BG Mitte können derzeit insgesamt 4200 Arbeitsplätze gesichert werden.

BG Mitte, Aussenstelle Nordwestschweiz
Dieter Baumann, Strittgässli 4, 4153 Reinach
Telefon 061 270 96 76
Email dieter.baumann@bgm-ccc.ch

www.bgm-ccc.ch