«Wir beobachten eine Verschlechterung der Verkehrssituation»

08.10.2019

Das Elektrotechnik-Unternehmen Selmoni fand in Basel-Stadt keinen grösseren Standort mit genügend Parkplätzen. In einem Jahr zieht das Unternehmen mit 600 Mitarbeitenden nach Münchenstein. René Fässler, Vorsitzender der Geschäftsleitung, kritisiert die zunehmend gewerbeunfreundliche Verkehrspolitik in Basel-Stadt.

Im November 2020 wird die Selmoni Gruppe ihr neues Domizil in Münchenstein beziehen. Basel-Stadt verliert damit 600 Arbeitsplätze. Die Selmoni Gruppe ist ein 1934 gegründetes Basler Unternehmen und seit 1962 in der St. Alban-Vorstadt zu Hause. «Von dem her ist der Wegzug auch mit Wehmut verbunden», sagt René Fässler, der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Selmoni Gruppe.

Basel-Stadt hat sich nicht bemüht

Das Elektrotechnik-Unternehmen ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Der Standort beim St. Alban-Tor wurde zu klein. «Wir haben 20 Grundstücke als mögliche neue Firmenstandorte angeschaut», sagt René Fässler. Sechs davon in Basel-Stadt. Aber ein Umzug in Basel-Stadt war nicht möglich. «Wir haben 122 Firmenfahrzeuge für unsere 600 Mitarbeitenden», erklärt René Fässler. «In Basel-Stadt hätten wir aufgrund der gesetzlichen Regelungen nur 25 Parkplätze bauen dürfen. Wir waren im Kontakt mit den Behörden. Aber Ausnahmen sind keine möglich gewesen», bedauert René Fässler. Grundsätzlich hatte Selmoni das Gefühl, dass der Kanton nicht sonderlich interessiert sei, die Firma mit den 600 Arbeitsplätzen in Basel zu halten. «Baselland hingegen nimmt uns mit Handkuss», berichtet der Selmoni-Geschäftsführer. Die Baselbieter Wirtschaftsförderung habe sich sehr um sie bemüht. In Baselland gibt es übrigens eine Mindestanzahl an Parkplätzen, die bei einem Neubau erstellt werden muss. Im Fall von Selmoni sind dies 180 Parkplätze. In Basel-Stadt wären es maximal 25 gewesen. Die Selmoni Gruppe macht heute schon viel, um mit möglichst wenig Parkplätzen auszukommen. Zum Beispiel stellt das Unternehmen sechs Kleinbusse mit je neun Plätzen zur Verfügung. So können in Fahrgemeinschaften 54 Mitarbeitende von Zuhause direkt zu den Baustellen transportiert werden. Trotzdem: «25 Parkplätze sind für ein Unternehmen wie unseres bei weitem nicht ausreichend», stellt René Fässler klar.

Kritik an Verkehrspolitik

Die Selmoni Gruppe beobachtet auch eine Verschlechterung der Verkehrssituation in Basel-Stadt. Die Kapazitäten für den motorisierten Verkehr und das Parkplatzangebot werden laufend abgebaut. Dies sei eine Folge des unrealistischen Ziels, dass der motorisierte Verkehr von 2010 bis 2020 um zehn Prozent reduziert werden soll. «Als Unternehmen mit vielen Servicemonteuren sind wir auf eine funktionierende Strasseninfrastruktur angewiesen», erklärte René Fässler. «Wir können unser Material nicht in einem Cargo-Velo unterbringen.» Das Unternehmen wird seinen Kundenstamm in Basel-Stadt natürlich auch von Münchenstein aus bedienen. René Fässler hofft, dass sich die Verkehrssituation in und um die Stadt nicht noch weiter verschlechtert. «Dies führt zu Zeitverlusten und zu Mehrkosten, die wir nicht einfach auf die Kundschaft überwälzen können.» Komplizierter geworden ist auch das Arbeiten in der Innenstadt. Durch die Zufahrtsbeschränkung sei der administrative Aufwand markant gestiegen.

Elektromobilität ein Thema

Am jetzigen Standort hat die Selmoni Gruppe über 80 Parkplätze in der Umgebung dazu gemietet, um die Mobilitätsbedürfnisse abdecken zu können. «Für manche gut qualifizierte Mitarbeitende gehört ein Parkplatz zum Angebot eines attraktiven Arbeitgebers dazu», erklärt René Fässler. Gerade für Mitarbeitende aus Süddeutschland und Elsass, wo der ÖV- Anschluss ungenügend ist. Bereits heute setzt das Unternehmen mit 65 Erdgas- respektive Biogas Fahrzeugen stark auf eine umweltfreundliche Mobilität. Am neuen Standort in Münchenstein wird Selmoni auch Ladestationen für E-Fahrzeuge bauen und elektrisch betriebene Poolfahrzeuge anschaffen. «In Zukunft wird die Elektromobilität auch für Lieferwagen interessanter, da die neuen Modelle eine deutlich höhere Reichweite haben», erklärt Fässler. «Aber auch mit den emissionsfreien Fahrzeugen müssen wir möglichst rasch zur Kundschaft kommen. Deshalb brauche es eine Verkehrspolitik, die alle Verkehrsträger fördert.»