Im Führungsalltag ist es oft schwierig, festgefahrenes Denken aufzubrechen

14.11.2019

Sie ist Mensch und Tier seit Anbeginn der Zeit gegeben. Selbst Einzellern sagt man diese Fähigkeit nach. Sie tut rund um die Uhr ihren Dienst und dürfte damit vielleicht die grösste «Weltmacht» dieses Planeten sein. Und wer kann schon wissen, ob es die Spezies «Mensch» ohne sie überhaupt geben würde, ohne die Gewohnheit.*

Umso interessanter ist, dass ihr in der Welt der systemischen Mitarbeiterführung augenscheinlich nur ein sehr bescheidener Stellenwert eingeräumt wird – wir sind es nicht gewohnt, über Gewohnheit nachzudenken. Nur gelegentlich taucht sie als «Macht der Gewohnheit» auf, wenn es darum geht, das eigene oder das Scheitern eines Mitarbeiters zu relativieren. Und wenn wir beharrlich Änderungen verweigern, erklärt man uns gern zum «Gewohnheitstier».

Die komplexe Welt des Menschen

Wie üblich passt auch diese universelle Fähigkeit in das perfekte System der Evolution. Ganz gleich ob bei Mensch oder Tier dient die Gewohnheit als Schutz- oder Lernmechanismus. Kinder sind überhaupt nur so in der Lage, die komplexe Welt des Menschen in allen Details in so kurzer Zeit vollständig zu erfassen. Doch neben diesen nach wie vor unerlässlichen Fähigkeiten lauern auch ernst zu nehmende Gefahren. Indem wir uns unserer Gewohnheiten üblicherweise längst nicht mehr bewusst sind, erkennen wir kaum, wie sehr sie uns im Hintergrund lenken und manipulieren. So lange unsere Gewohnheiten zu unserem Vorteil gereichen, ist hieran erst einmal nichts auszusetzen. Bedenklich wird die Sache aber immer dann, wenn uns die Konsequenz unseres gewohnten Denkens und Handelns in eine Krisensituation hineinmanövriert.

Der wohl mächtigste Gegner dürfte die «festgefahrene Denkgewohnheit» sein. Einerseits, weil man sie weder sehen noch so ohne Weiteres bewusst erkennen kann. Zum anderen, weil die festgefahrene Denkgewohnheit uns heimtückisch und mit energischer Hartnäckigkeit davon abhält, uns oder die Dinge um uns herum zu verändern.

Ferner bremst sie uns gerne auch mit Vorurteilen oder vorgefertigten Meinungen und Ansichten in unserer Handlungsweise aus. Wo immer sie kann, wirft sie uns Knüppel in den Weg, selbst dann, wenn es zu unserem Vorteil wäre. Denkmuster wie «ich bin nicht gut genug» oder «ich kann es nicht» sorgen in ihrer fast trivialen Einfachheit manchmal zu wiederholtem Versagen ohne erkennbaren Grund. Denkgewohnheiten bei sich selbst zu erkennen und dann auch noch erfolgreich zu verändern ist möglich, aber anspruchsvoll. Sie von aussen bei seinen Mitarbeitern zu erkennen oder zu verändern ist meist aussichtslos: mit Auswirkung auf Veränderungsprozesse in Unternehmen oder Teams.

Positive Einstellungen

Tatsächlich aber ist es in der Führung durchaus möglich, dieses Phänomen zum Vorteil umzumünzen. Denn die beste Art, eine Gewohnheit zu verändern, ist der gezielte Einsatz einer neuen Gewohnheit. Wobei die Installation einer neuen Gewohnheit verblüffend einfach ist. Indem ein im Vorfeld sorgsam konzipierter Verhaltens- oder Führungsgrundsatz bei sich oder seinen Mitarbeitern durch konsequentes Anwenden oder Einfordern zur Gewohnheit gemacht wird, sorgt diese «neue» Gewohnheit für entsprechend positive Resultate und Einstellungen. Es ist ein einfaches und altbekanntes Rezept: Konsequenz im eigenen Tun, kombiniert mit einer gesunden Portion Disziplin (im positiven Sinne) sind die entscheidenden Schlüssel zum Erfolg und zur inneren Zufriedenheit. Aber man muss sich von Zeit zu Zeit immer wieder einmal daran erinnern und daran, wie viel Spass eine erfolgreiche Veränderung auch machen kann.

*Frank Goffin ist Executive Head Coach bei Clover Coaching AG, Basel.

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