Aktionsfonds: Delegiertenversammlung beschliesst einstimmig eine Beitragserhöhung

04.12.2019

Seit dem Jahr 2000 sind die Mitgliederbeiträge des Gewerbeverbandes Basel-Stadt unverändert geblieben – trotz des stark gewachsenen Engagements in den Bereichen Berufsbildung, Umwelt und Energie sowie Politik. Jetzt haben die Delegierten des Gewerbeverbandes Basel-Stadt einstimmig eine Erhöhung auf das nächste Jahr beschlossen. Gewerbedirektor Gabriel Barell erklärt die Hintergründe.

«kmu news»: Erstmals seit 20 Jahren werden die Mitgliederbeiträge erhöht. Warum ist dies notwendig?
Gabriel Barell: Wir sind stolz, dass wir die Mitgliederbeiträge über einen so langen Zeitraum konstant halten konnten. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir in diesem Zeitraum unsere Aktivitäten und Dienstleistungen in den Bereichen Berufsbildung, Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation und Politik gesteigert haben, um den neuen Anforderungen des Umfelds und der Mitglieder gerecht zu werden. Um unsere Arbeit adäquat fortführen zu können, ist eine Erhöhung des Aktionsfonds und somit der Mitgliederbeiträge unumgänglich.

Wer hat den Entscheid dazu gefällt?
Der Vorstand des Gewerbeverbandes Basel-Stadt hat die Situation und die zukünftigen Anforderungen sorgfältig analysiert und einstimmig beschlossen, der Delegiertenversammlung eine Beitragserhöhung vorzuschlagen. Die Delegiertenversammlung besteht aus über 70 Vertreterinnen und Vertretern der Berufs- und Branchenverbände sowie aus Einzelmitgliedern. Die Delegierten diskutierten am 17. September eingehend über die beantragte Beitragserhöhung. Die Zustimmung war überaus deutlich. Nun setzen wir den klaren Auftrag unserer Delegierten um.

Warum gerade jetzt?
Andere Organisationen wie beispielsweise die Gewerkschaft UNIA oder der Schweizerische Gewerbeverband hatten bereits vor Jahren eine Beitragserhöhung beschlossen. Wir sind froh, konnten wir die Beiträge so lange konstant halten.

Sie haben von gestiegenen Anforderungen gesprochen. Was meinen Sie konkret?
Nehmen wir zum Beispiel die Berufsbildung. Früher lag der Fokus darauf, genügend Lehrstellen zu schaffen. Heute ist die Herausforderung, diese mit gut qualifizierten Lernenden zu besetzen. Der Gewerbeverband Basel-Stadt unterstützt die KMU und die Lehrstellensuchenden mit innovativen Plattformen wie der Lehrstellenbörse, Lehrstellen-Speed-Dating oder klassischer Vermittlungsarbeit. Das benötigt Ressourcen. Seit einigen Jahren engagieren wir uns auch erfolgreich im Bereich der Talentförderung mit dem Projekt Unternehmer Campus. Denn der Fachkräftemangel ist ein Riesen-Thema für die Wirtschaft. Und die politische Arbeit wird immer wichtiger.

Warum?
Die Wirtschaft sieht sich immer mehr in der Funktion der Reparaturwerkstatt. Es geht hauptsächlich um drei Bereiche: Verbesserungen der Rahmenbedingungen, Verhindern wirtschaftsschädigender Vorlagen und wirtschaftsverträgliche Umsetzung neuer Gesetze. Diese Arbeit braucht Ressourcen – personell und finanziell.

Das klingt etwas abstrakt. Können Sie Beispiele nennen?
Wir bringen Anliegen unserer Branchenverbände und KMU direkt in den politischen Prozess ein. Zum Beispiel die Reduktion der Papierflut im Beschaffungswesen, Erleichterungen bei der Allmendbewilligung oder die Ermöglichung von Pauschalspesen auch für Kleinunternehmen. Immer aufwändiger wird das Bekämpfen gewerbefeindlicher Vorschläge, da Rot-Grün hier einen gewissen Aktionismus entwickelt hat. Erfreulicherweise konnte beispielsweise der automatische Abzug der Steuern vom Lohn oder eine neue Abfallsteuer für den Detailhandel verhindert werden. Beides hätte die KMU stark belastet. Und intensiv, aber lohnend, ist auch das Beharren auf der wirtschaftsverträglichen Umsetzung neuer Vorlagen. Das neue Energiegesetz, das Behindertenrechtegesetz oder das Verkehrskonzept Innenstadt waren in den ersten Fassungen noch deutlich nachteiliger für die Wirtschaft. Das ist Knochenarbeit, die wir aber gerne machen, weil sie wichtig für unsere Mitglieder ist.

Welche Rolle werden zukünftig Initiativen und Referenden spielen?
Grundsätzlich gibt es nicht viele Organisationen, die initiativ- und referendumsfähig sind. Der Gewerbeverband Basel-Stadt gehört dazu. Und die Beitragserhöhung soll mithelfen, dass dies so bleibt. Insbesondere Referenden dürften aufgrund der politischen Verhältnisse im Kanton Basel-Stadt an Bedeutung gewinnen.

Wo sehen Sie die wichtigsten politischen Herausforderungen der Zukunft?
Es stehen einige zentrale Grundsatzentscheide an. Zum Beispiel in der Verkehrspolitik mit unseren beiden Initiativen «Zämme fahre mir besser!» und «Parkieren für alle Verkehrsteilnehmer». Aber auch die Bekämpfung der radikalen Mindestlohninitiative, die von linker und Gewerkschaftsseite lanciert wurde, ist für zahlreiche Branchen von grosser Bedeutung. Die wirtschaftsverträgliche Umsetzung der Wohnschutzinitiative ist eine wichtige Herausforderung. Und wir müssen mithelfen, dass die grossen Infrastrukturprojekte für Strasse und Schiene realisiert werden können. Nur um einige wenige Beispiele zu nennen.

Die konkrete inhaltliche Arbeit ist das Eine, die Kommunikation darüber das Andere.
Ja, das stimmt. Die Öffentlichkeitsarbeit und die Kommunikation wollen wir unbedingt weiter auf einem hohen Niveau halten. Im Bereich Social Media sind wir die führende wirtschaftsliberale Organisation in der Region. Schon lange setzen wir auf diese Kanäle und konnten uns im Vergleich zu anderen einen Vorsprung erarbeiten. Eine gute, breite Kommunikation ist unverzichtbar – das wollen wir beibehalten und punktuell ausbauen. Auch dies braucht Ressourcen. Wichtig ist zu wissen, dass der Gewerbeverband Basel-Stadt auch weiterhin den grössten Teil seiner Einnahmen durch Dienstleistungen und Drittmittel erwirtschaften wird. Die Mitgliedereinnahmen machen heute rund acht Prozent der Gesamteinnahmen aus.