Emotional intelligente Führungskompetenz: Was hat das mit Vertrauen zu tun?

16.06.2020

Um in der modernen Arbeitswelt die verschiedenartigen Mitarbeitenden zu motivieren, anzuleiten, das Richtige zu tun sowie die Kommunikation untereinander transparent und klar zu gestalten, sind emotional intelligente Führungspersönlichkeiten gefragt, insbesondere in der aktuellen Krisensituation, wo viele Führungskräfte ihre Führungsarbeit aus dem Homeoffice tätigen müssen.

Eine wichtige Grundvoraussetzung für emotional intelligente Führungsarbeit ist Vertrauen – Vertrauen in die Mitarbeitenden, aber auch Vertrauen in sich selbst. Gerade aus dem Homeoffice ist dies von besonderer Bedeutung. Denn hier greifen die normalen Kontrollinstanzen in vielen Fällen nicht.

Vertrauen in sich selbst als auch Vertrauen in die Mitarbeitenden ist nicht etwas, was aus sich selbst entsteht, sondern es ist die Folge von etwas.

Es berührt einmal das Selbst und zum anderen das Gegenüber. Und es bedingt sich gegenseitig. Denn über je mehr Selbstvertrauen ich verfüge, umso mehr Vertrauen kann ich meinen Mitarbeitenden entgegenbringen. Wir treten mit anderen Menschen in Resonanz und das, was wir selbst ausstrahlen, wird mir vom anderen gespiegelt. Wenn die Mitarbeitenden spüren, dass ich ihnen, ihrer Leistungsbereitschaft und auch ihrer individuellen Methode, diese Leistung zu erbringen, vertraue, werden sie sich sehr viel mehr bemühen, dieses Vertrauen zu rechtfertigen.

Doch wie bekomme ich ein solches Selbstvertrauen? Selbstvertrauen ist eine Folge von emotional intelligentem Selbstmanagement! Dazu zählen:

  1. Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung
    Selbstwahrnehmung erstreckt sich nicht nur auf die sachlich/rationalen Aspekte meiner Person, sondern vor allem auch auf die emotionalen wie: meine momentane Befindlichkeit, meine Befürchtungen, meine Ängste, meine Hoffnungen, meine Erwartungen, meine Bedürfnisse, meine Stärken, meine Schwächen, meine Triggerpunkte usw. Je besser ich mich selbst kenne, umso weniger anfällig bin ich für emotionale Manipulation von aussen, sei es durch die Umstände, die Medien oder was auch immer. Und umso mehr bin ich mir meiner selbst bewusst, in meinen Gedanken, Gefühlen und Handlungen.
    Entscheidend ist es auch, Klarheit darüber zu haben, wer und wie ich als Führungsperson von meinen Mitarbeitenden wahrgenommen werden will. Die Zeit im Homeoffice ist eine gute Gelegenheit, hier ein Profil von sich selbst als Führungskraft zu erstellen, so Sie es nicht schon haben.
  2. Fähigkeit zur Selbststeuerung
    Es ist völlig in Ordnung, Emotionen zu haben, egal welcher Art auch immer. Entscheidend ist, wie ich mit diesen Emotionen umgehe. Als Führungsperson ist der konstruktive Umgang mit den eigenen Emotionen nun oberstes Gebot.
  3. Fähigkeit sich selbst zu motivieren
    Hierzu gehört Leistungsbereitschaft, Engagement, Begeisterung etc. Wenn es mir gelingt, mich und meine Emotionen positiv zu steuern, erlange ich dadurch die Fähigkeit zur Selbstmotivation, die wiederum motivierend auf das Team ausstrahlt.

Gelingt es mir, die oben beschriebenen Punkte umzusetzen, gewinne ich daraus Selbstvertrauen. Und aus diesem Selbstvertrauen nährt sich dann wiederum das Vertrauen in meine Mitarbeitenden. Diese orientieren sich an ihren Vorgesetzten, die Wirkung von «oben» nach «unten» ist immer ungleich grösser als umgekehrt.

Die oben beschriebenen Fähigkeiten des Selbstmanagements sind bisweilen schwer umzusetzen, vor allem dann, wenn eine Situation schwer bis gar nicht beherrschbar oder vorhersehbar zu sein scheint, so wie es im Moment der Fall ist. Hier kann professionelle Unterstützung in Form einer Supervision oder eines Coachings durchaus hilfreich sein. Denn nur ein wirksames, konstruktives Selbstmanagement ermöglicht mir ein sozial-kompetentes Management meiner Mitarbeitenden.

* Sigrid Goffin ist Senior Coach und Kommunikationstrainerin von Clover Coaching AG, Basel.
www.clovercoaching.ch