Banken und Corona: «Ich empfehle ein persönliches Gespräch mit der Hausbank»

10.07.2020

John Häfelfinger, Präsident der Basler Bankenvereinigung (BBVg) und CEO der BLKB, und Patrick Huber, Geschäftsführer der BBVg, nehmen im Interview Stellung zum Engagement der Banken in der Krise und sagen, was angeschlagene Unternehmen tun können.

«kmu news»: Sie dürften, wie wir alle, eine sehr intensive Phase hinter sich haben – was waren konkret die Herausforderungen der Banken in der Krise?
John Häfelfinger: Es ging darum, in dieser Situation die Grundversorgung sicherzustellen und trotz physischer Distanz Nähe zu den Kunden zu schaffen und den Kontakt aufrecht zu erhalten. Hier waren sicher all jene Institute im Vorteil, bei denen die notwendigen digitalen Tools bereits im Einsatz waren und die schon breitere Erfahrung mit flexiblem Arbeiten und Homeoffice gemacht haben. Für die Banken mit KMU-Kunden kam hinzu, dass sie sehr schnell in die Bereitstellung der Hilfspakete des Bundes miteinbezogen wurden. Hier galt es, zügig die internen Ressourcen und Abläufe dem Ansturm der Anträge anzupassen. Das Wissen aus unterschiedlichen internen Bereichen wie Abwicklung, Kundencenter, Beratung und Kreditrisikomanagement musste rasch abgerufen werden können, damit die Gesuche pragmatisch und trotzdem sorgfältig bearbeitet werden konnten. Das war für alle Institute ein grosser Team-Effort. Nach den vielen positiven Feedbacks von KMU-Kunden zu schliessen, haben das die Banken in der Region gut gemeistert.

Patrick Huber: Zeitgleich haben die grossen Banken der Region mit den beiden Kantonsregierungen ein «Memorandum of Understanding» unterzeichnet, wo wir erklärt haben, wie wir die Krise meistern wollen. Die Massnahmen wie Vorauszahlungen von Lieferantenrechnungen und Kulanz bei Zahlungsfristen hat dem Gewerbe spürbar und sofort geholfen. Kurze Zeit später waren die Basler Banken stark involviert, bei der Ausarbeitung und Umsetzung der Unterstützungsprogramme in den Kantonen Basel-Stadt und Baselland.

Viele Firmen haben eine riesige Umsatzeinbusse verzeichnen müssen und sind zudem stärker verschuldet – was raten Sie Gewerbetreibenden, die aktuell in finanzielle Schwierigkeiten kommen? Wie sollen sich diese an die Banken wenden?
Häfelfinger: Ich empfehle ein persönliches Gespräch mit der Hausbank. Wir haben bei der BLKB gesehen, dass ein solch direkter Kontakt gerade bei Unternehmen wertvoll ist, die bis jetzt noch nie einen Kreditantrag gestellt haben und sich schwer tun mit dem Gedanken, von fremdem Geld abhängig zu sein. Für die KMU stehen folgende Fragen im Zentrum: Wie können die zusätzlichen COVID-Kredite über die nächsten Jahre zurückbezahlt und dabei gleichzeitig die notwendigen Investitionen in den Betrieb sichergestellt werden? Es ist Aufgabe der Hausbank, zusammen mit ihrem KMU-Kunden gemeinsam Antworten auf diese Fragen zu erarbeiten.

Rechnen Sie mit einer Konkurswelle in der Region?
Häfelfinger: Das ist zum jetzigen Zeitpunkt schwierig zu beurteilen. Von vielen Kunden höre ich, dass sie die Folgen von COVID erst im zweiten Halbjahr oder sogar im nächsten Jahr wirklich spüren werden. Die verschiedenen finanziellen Hilfspakete dienten ja dazu, die Auswirkungen vorerst abzufedern. Vieles hängt auch davon ab, wie rasch der Konsum wieder anzieht, globale Lieferketten wieder funktionieren und ob eine zweite Welle vermieden werden kann. Deshalb bin ich mit einer Prognose vorsichtig.

Huber: Dazu kommt, dass sich eine wirtschaftliche Misere nicht ausschliesslich an den Konkursen ablesen lässt. Viele Unternehmen stellen weniger Leute an oder müssen gar Mitarbeitende entlassen. Selbst wenn eine betroffene Firma bestehen bleibt, dürfte es Jahre dauern, bis sie punkto Umsatz, Mitarbeitende und Reserven wieder auf dem Niveau von Ende 2019 ist.