90 Jahre Gundeldinger Zeitung

17.10.2020

Thomas P. Weber führt die Gundeldinger Zeitung in dritter Generation. Das älteste Medium Basels feiert dieses Jahr seinen 90. Geburtstag – in einer enorm turbulenten Phase. Trotzdem, oder erst recht, wird am 21. Oktober eine Jubi-Ausgabe lanciert. Im Interview mit den «kmu news» blickt der GZ-Chef zurück und voraus.

«kmu news»: Was bedeutet es für Sie, dass die Gundeldinger Zeitung 90 Jahre alt ist?
Thomas P. Weber: Es macht mich stolz, dass sich unsere relativ kleine Zeitung so lange im riesigen Medienmarkt behaupten konnte. Auf dem Platz Basel sind wir seit dem Aus des «Baslerstab» nun das älteste Medium. Und: Sie ist immer erschienen – mit einer einzigen Ausnahme. Nämlich im September 1939. Bei der Mobilmachung wurden sowohl mein Grossvater, der die Zeitung gründete, wie auch die Mitarbeitenden eingezogen.

Was macht den Erfolg der Gundeldinger Zeitung aus?
Die Zeitung und das Quartier sind untrennbar miteinander verbunden. Für viele ist sie wie ein Stück Heimat. Die Gundeldinger Zeitung hat sich seit Beginn für das Quartier, das eigentlich eine Stadt in der Stadt mit Dorfcharakter ist, eingesetzt. Wir sind das Kampfblatt für das Quartier – unabhängig und politisch neutral. Die Gundeldinger Zeitung hat das Quartier mitgestaltet und Entwicklungen angestossen, welche für ganz Basel wichtig waren.

Zum Beispiel?
Die GZ war massgeblich daran beteiligt, dass die offene Drogen- und Prostitutionsszene in der «Barackenidylle» hinter dem Bahnhof aufgehoben wurde. Verkehrsberuhigung und Aufwertung der Strassen war seit 1930 ein Dauerbrenner. Dabei gab es Erfolge – wie unter anderem die einspurige Führung der «Längsachsen» Gundeldinger- und Dornacherstrasse, «Umfahrungsstrasse» Meret Oppenheim, Tempo 30 in den Seitenstrassen und seit neuestem auch im «Boulevard» Güterstrasse, neue Wohn- und Spielstrassen, neue Spielplatze und grüne Begegnungsorte, SBB-Unterführung und später Passerelle – aber auch Enttäuschungen. Zum Beispiel die misslungene Ausgestaltung des «Boulevard Güterstrasse» oder das protzig-graue MOH beim Bahnhof. Über das Quartier hinausgestrahlt hat das Projekt «Sauberes Gundeli», welches dann von der Stadtreinigung zu «Sauberes Basel» weiterentwickelt wurde. Es gäbe noch viele Beispiele. Aber etwas möchte ich noch erwähnen. Ein wichtiges Anliegen der Gundeldinger Zeitung war immer die Zusammenführung der früher komplett getrennten Teile Gundeldingen und Bruderholz. Dass dies gelungen ist, zeigen zum Beispiel die zahlreichen gemeinsamen Aktivitäten.

Prägende Figur war insbesondere Ihr Vater, Paul Weber, welcher die Zeitung über 50 Jahre lang führte.
Ja, gegründet wurde die Gundeldinger Zeitung anno 1930 von meinem Grossvater Otto Weber. Eigentlich aus einer Notsituation heraus – er hatte ein Reklamebüro, aber zu wenig Aufträge, und dachte, daraus könnten ich Synergien ergeben. Als er 1947 viel zu früh verstarb, übernahm der älteste der vier Kinder, Paul Weber, mit gerade 22 Jahren die Zeitung und führte diese über 50 Jahre lang. Er gründete auch die IG Gundeldingen oder die Gundeli-Clique. 1980 trat mein Bruder Markus ins Familienunternehmen ein – er führt heute die «Werbeagentur Weber» des Vaters – und ich übernahm 1994 die Zeitung.

«Corona» trifft die Medienbranche hart. Wie sieht es bei der Gundeldinger Zeitung aus?
Der Umsatz ist um 70 bis 80 Prozent zusammengebrochen. Das war brutal – und wir haben Kurzarbeit anmelden müssen. Die Gundeldinger Zeitung lebt insbesondere von den Veranstaltungen – und diese fielen komplett weg. Zum Glück haben wir aber auch treue Stamm-Kunden. Die Sonderausgaben zu den Wahlen und zu unserem Jubiläum retten uns vermutlich in diesem Jahr. Aber die Zukunft ist ungewiss. Aber ich bin trotzdem zuversichtlich.

Warum?
Trotz Online-Boom hat der Print einfach eine höhere Glaubwürdigkeit. Es freut mich, dass wir nicht nur bei der älteren Klientel gut ankommen, sondern dass auch Jungparteien auf uns setzen. Wir decken 100 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner von Basel Süd/Ost ab, die Zeitung hat eine sehr hohe Akzeptanz. Mit unserem lokalen Fokus bespielen wir eine Nische, welche andere Medien nicht interessiert. Ich spüre auch eine grosse Dankbarkeit, dass sich die Gundeldinger Zeitung für das Quartier einsetzt. Das ist schön.

www.gundeldingen.ch