BG Mitte: «Konstant hohes Arbeitsvolumen»

14.01.2021

Den Bürgschaftsgenossenschaften kommt in der Abwicklung der Covid-19-Kredite eine wichtige Rolle zu. Die «kmu news» haben bei Valentin Werlen, Direktor der BG Mitte, Bürgschaftsgenossenschaft für KMU, nachgefragt, wie sich die Situation entwickelt hat und welche Branchen besonders betroffen sind.

«kmu news»: Wie hat sich der Aufwand für die BG Mitte im Zusammenhang mit den COVID-19-Krediten entwickelt? Am Anfang war dieser ja riesig.
Valentin Werlen: Zwar haben sich die Aufgaben geändert, der Aufwand ist jedoch gleichbleibend hoch. Das Programm ist Ende Juli 2020 abgelaufen. Seit diesem Datum können keine neuen Kredite nach Covid-19-Solidarbürgschaftsverordnung beantragt werden. Im Bestand der BG Mitte befinden sich rund 28 500 Bürgschaften. Der Prüfprozess während der Beantragung basierte auf einer Selbstdeklaration. Im Nachhinein finden umfassende Kontrollen statt. Ein Abgleich mit der Mehrwertsteuer klärt bei-spielsweise, welches Unternehmen zu viel Umsatz als Bemessungsgrundlage angegeben hat.

War dies oft der Fall?
Es befinden sich rund 3000 Fälle in Abklärung bei allen Bürgschaftsorganisationen. Es ist der vermeintlich häufigste Missbrauch, schon deutlich weniger sind die Fälle von Dividendenzahlungen während der Dauer der Solidarbürgschaft und weitere Missbrauchsformen.

Wie viele Covid-19-Kredite wurden respektive werden über die BG Mitte abgewickelt? Wie viele in BS und BL?
Die von der BG Mitte verbürgten Kredite belaufen sich auf rund 3,9 Milliarden Franken – gesamthaft über alle Kantone der BG Mitte, also Bern, Jura, Solothurn, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Luzern, Obwalden und Nidwalden. In den beiden Basel wurden rund 7000 Kredite gesprochen.

Bei welchen Branchen ist der Bedarf an Krediten am grössten?
Der Handel und das Gastgewerbe haben am meisten Kredite nachgefragt. Wie hat sich in diesem Jahr das «normale» Bürgschaftsgeschäft der BG Mitte entwickelt?Die ordentlichen Bürgschaften bewegen sich in etwa auf Vorjahresniveau. Von langer Hand geplante Investitionen oder Nachfolgeregelungen finden trotz Pandemie statt und müssen finanziert werden.

Was erwarten Sie vom Jahr 2021?
Die erlassene Covid-19-Solidarbürgschaftsver-ordnung wird in ein ordentliches Gesetz überführt. Das Covid-19-Solidarbürgschaftsgesetz regelt die Aufgaben der anerkannten Bürgschaftsorganisationen, die sich von der Verwaltung der Bürgschaften über die Verhinderung und Bekämpfung von Missbräuchen erstrecken. Enthalten ist auch der Auftrag zur Bewirtschaftung der auf die Bürgschaftsorganisation übergegangenen Forderungen. Ich rechne daher mit einem konstant hohen Arbeitsvolumen.

Arbeitsplätze sichern und ausbauen

Die BG Mitte ist unter anderem auch für die Kantone Basel-Stadt und Basel-Land-schaft zuständig. 2019 – vor Corona – nah-men die Neubürgschaften mit 51 Dossiers um 15 Prozent zu. Diese Dossiers machten 14,9 Millionen Franken aus. So konnte die BG Mitte bei ihren Kunden mithelfen, ein Gesamt-Investitionsvolumen von rund 63,9 Millionen Franken auszulösen. Pro Bürg-schaftsdossier sind durchschnittlich 17 Arbeitsplätze verbunden. Der Gesamtbürg-schaftsbestand betrug 2019 293 Dossiers. 23 davon für Unternehmen im Baselbiet, 12 in Basel-Stadt.
www.bgm-ccc.ch