«Branchen sind unterschiedlich unterwegs»

13.04.2021

Weite Teile der regionalen Wirtschaft kamen bisher gut durch die Corona-Krise. Die Betroffenheit ist je nach Branche unterschiedlich. Und je besser der aktuelle Geschäftsgang, desto zuversichtlicher der Blick in die nahe Zukunft. Dies zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage «Stimmungsbarometer», an der sich 600 Unternehmen aus Basel-Stadt und Baselland beteiligten. Die Handelskammer beider Basel, der Arbeitgeberverband Basel, der Gewerbeverband Basel-Stadt und die Standortförderungen Basel-Stadt und Baselland führten gemeinsam die Befragung durch.

Der Stimmungsbarometer Spezial Frühling 2021 vermittelt ein aktuelles Stimmungsbild der Wirtschaft und zeigt auf, wie die Unternehmen der Region Basel die nachhaltig herausfordernde Situation nach Ausbruch der Pandemie meistern.

RUND 60 PROZENT BEURTEILEN GESCHÄFTSGANG AIS «GUT» ODER «BEFRIEDIGEND»

Je ein knappes Drittel der 600 Unternehmen, die an der Konjunkturumfrage teilgenommen haben, beurteilen ihren aktuellen Geschäftsgang mit «gut» oder «hefriedigend». Je 21 Prozent melden einen unbefriedigenden beziehungsweise einen schlechten Geschäftsgang. Die Analyse nach Unternehmensgrosse zeigt, dass der aktuelle Geschäftsgang tendenziell besser beurteilt wird, je grosser das Unternehmen ist. Nennenswerte Unterschiede zwischen Unternehmen in Basel-Stadt und jenen in Baselland lassen sich nicht feststellen.

ZUVERSICHT HÄLT SICH IN GRENZEN

lm Vergleich zur Vorjahresperiode beurteilen 11 Prozent den aktuellen Geschäftsgang als besser, 36 Prozent ais gleich und 53 Prozent als schlechter. Mit Blick auf das kommende Halbjahr prognostizieren 15 Prozent einen besseren, 48 Prozent einen gleichbleibenden und 37 Prozent einen schlechteren Geschäftsgang. «Damit rechnet die Mehrheit der Unternehmen unserer Region nicht mit einer raschen Verhesserung ihres Geschäftsgangs, wohei die Branche sowie die aktuelle Verfassung eine wichtige Rolle bei der Beurteilung spielt: Je besser der aktuelle Geschäftsgang, desto zuversichtlicher der Blick in die nahe Zukunft», erläutert Andreas Meier, Abteilungsleiter Mitglieder & Netzwerk der Handelskammer beider Basel.

BRANCHEN UNTERSCHIEDLICH UNTERWEGS

Ein aussagekräftigeres Bild vermittelt der Blick auf die einzelnen Branchen. «Wenig erstaunlich stammen gute Werte aus der Chemie und den Life Sciences, wie Pharma, Biotech, Medtech und Agro, der wertschopfungsintensiven Leitbranche unserer Region», so Andreas Meier. Gut die Hälfte der Unternehmen berichtet von einem guten und ein Viertel von einem befriedigenden aktuellen Geschäftsgang. Die Life Sciences-Branche, insbesondere die Pharma, zeigt sich ausserst krisenresistent. Sie war, ist und hleibt ein stabilisierender Faktor für die regionale, aber auch für die nationale Wirtschaft.

Auch das Baugewerbe hält sich gut. Ein hoher Auftragshestand anfangs 2020 und grosse laufende Infrastrukturbauprojekte – private und staatliche – haben die Arbeit nicht ausgehen lassen. Allerdings rechnet ein Drittel mit einem schlechteren Geschäftsgang im kommenden Halbjahr. Die MEM-lndustrie sowie die übrigen lndustrieunternehmen verzeichnen bessere Werte als noch im Sommer 2020. Zwei Drittel der Unternehmen sprechen von einem guten oder mindestens befriedigenden Geschäftsgang, was den Schluss einer leichten Erholung zulasst. Auch die Prognosen fur das kommende Halbjahr lassen hoffen, dass sich diese positive Tendenz fortsetzt. Stimulierend wirkt dabei Asien. Dort ist die Pandemie grosstenteils unter Kontrolle, die Wirtschaft zieht wieder an. «Unsicher ist die Lage allerdings in der Logistik», führt Meier weiter aus. Die grossen Opfer der Corona-Pandemie sind der Tourismus, die Gastronomie und Hotellerie sowie die Event-Branche. Gegen 90 Prozent der Betriebe sprechen von einem schlechten, 10 Prozent von einem unbefriedigenden Geschaftsgang. Dabei sind die Werte der Betriebe im Kanton Basel-Stadt schlechter als jene der Betriebe im Kanton Baselland. Für die nahe Zukunft besteht wenig Hoffnung auf Besserung. Über zwei Drittel der Branche rechnet mit einer weiteren Verschlechterung der Situation. Ebenfalls eine deutliche Verschlechterung des Geschäftsgangs im Vergleich zum Sommer 2020 verzeichnet der Detailhandel. Etwas besser sieht es beim Grosshandel aus. Die Prognosen bleiben aber fürs kommende Halbjahr verhalten. Ein positives Stimmungsbild vermitteln die Finanz- und Versicherungsdienstleister. Die Branche ist auf Kurs. Ebenfalls gut halt sich die lmmobilienwirtschaft. Rund die Hälfte der Unternehmen bewertet den aktuellen Geschäftsgang mit «gut», 40 Prozent mit «befriedigend». Zu den Branchen, die am besten durch die Pandemie kommen, zählen die IT und Telekommunikation. Die Stimmung bei den übrigen Dienstleistern bezüglich des Geschäftsgangs deckt das ganze Spektrum von «gut» bis «schlecht» ab. Wenig Grund zur Sorge besteht in der Energiewirtschaft. Eine Verschlechterung der Situation im Vergleich zum Sommer 2020 ist bei Institutionen aus Bildung und Wissenschaft zu verzeichnen. Ein sehr heterogenes Stimmungsbild gibt das Gesundheits- und Sozialwesen ab.

ZURÜCKHALTUNG BEI INVESTITIONEN UND BEI DER PERSONALENTWICKLUNG

Zwei wichtige Indikatoren zur Beurteilung der konjunkturellen Entwicklung sind die Ennvicklung der Investitionen sowie des Personalbestands. Bei beiden ist für das bevorstehende Halbjahr Zurückhaltung zu spüren. Bei nur gerade 12 Prozent der Unternehmen werden die Investitionen zunehmen, bei 41 Prozent werden sie gleichbleiben und bei 4 7 Prozent zurückgehen. «Bei vielen Unternehmen haben sich die Investitionen in Richtung Digitalisierung der Arbeitsprozesse und digitale Kommunikation verschoben», erläutert Meier. Beim Personal wird der Bestand bei 10 Prozent der befragten Unternehmen zunehmen, immerhin bei 67 Prozent wird er gleichbleiben und bei 23 Prozent abnehmen. Diese Werte sind im Vergleich zum Stimmungsbild des Sommers 2020 praktisch unverändert.

Den Bericht zum Download finden Sie hier.