Jetzt sind endlich auch die Beizen-Innenräume offen

31.05.2021

Der Bundesrat hat am 26. Mai weitere Lockerungen der Corona-Massnahmen beschlossen. Diese traten am 31. Mai in Kraft. Endlich können auch die Restaurants wieder öffnen – allerdings mit Kapazitätsbeschränkungen und strengen Schutzkonzepten.

Schon lange haben der Gewerbeverband Basel-Stadt und der Wirteverband Basel-Stadt zusammen mit den nationalen Verbänden die Öffnung der Innenräume von Restaurants gefordert. Nun hat der Bundesrat diese Forderung endlich – und nach einer übertrieben langen zweiwöchigen Konsultationsphase – umgesetzt. Für die Gastrobranche ist das ein ganz wichtiger Schritt, auch wenn natürlich noch lange nicht Normalität herrscht.

TROTZ LOCKERUNGEN NOCH KEIN «NORMALBETRIEB» IN DER GASTRONOMIE

«Die Abstandsregeln zwischen den Tischen und die Vier-Personen-Regel in Innenräumen führen immer noch zu massiven Kapazitätsbeschränkungen im Vergleich zu Vor-Corona», betont Gewerbedirektor Gabriel Barell. Aber die Öffnung der Restaurants ist eine sehr gute Nachricht, insbesondere für Betriebe ohne Aussenbereiche. Zu den Auflagen gehört auch, dass weiterhin die Gästedaten erfasst werden müssen. Die Schutzmaske darf abgenommen werden, solange man am Tisch sitzt. Ursprünglich hatte der Bundesrat vorgeschlagen, dass die Maske getragen werden muss, ausser man konsumiert gerade. Das wäre schlicht nicht praktikabel gewesen.

KEINE HOMEOFFICE-PFLICHT MEHR

Einer der grössten Streitpunkte ist und bleibt die Regelung von Homeoffice-Vorgaben. Die Wirtschaft hatte schon lange die Streichung der Homeoffice-Pflicht gefordert. Nun hat der Bundesrat diese – auch nach starkem Druck aus den beiden Basel – in eine Empfehlung umgewandelt. Allerdings koppelt er diese an die Bedingung eines aus KMU-Sicht unpraktikablen Massentests-Programms im Betrieb. Zudem sind die kantonalen Testprogramme und die Laborkapazitäten nicht ausreichend, um einer grossen Zahl von Unternehmen die Befreiung von der Homeoffice-Pflicht durch regelmässiges Testen zu ermöglichen. Gabriel Barell ist dennoch optimistisch: «Die Aufhebung der Homeoffice-Pflicht wird wieder zu höheren Frequenzen in der Innenstadt führen. Davon werden auch der Detailhandel, Dienstleistungsunternehmen und Gastronomiebetriebe profitieren.»

GRÖSSERE PERSONENGRUPPEN BEI VERANSTALTUNGEN UND TREFFEN

Gelockert wurden auch die Beschränkungen bei den maximal zulässigen Personengruppen. Neu dürfen sich bei privaten Treffen drinnen 30 und draussen 50 Personen treffen. Und das ohne Schutzkonzept, wie das beispielsweise für die Gastronomie zwingend ist. Gänzlich aufgehoben wurden zudem die Einschränkungen für Menschenansammlungen im öffentlichen Raum. Auch bei öffentlichen Veranstaltungen, wie etwa Vereinsanlässen oder Führungen hat es Lockerungen gegeben. Drinnen wie draussen dürfen sich wieder 50 Leute versammeln. Es muss aber ein Schutzkonzept vorliegen und Abstände und Maskentragen müssen eingehalten werden. Bei Publikumsveranstaltungen sind schliesslich maximal 100 Personen in Innenräumen respektive 300 Personen im Freien zulässig. Dabei darf maximal die Hälfte (statt wie bislang ein Drittel) der Raumkapazität genutzt werden darf. Zudem ist neu Essen und Trinken auf den Sitzplätzen wieder erlaubt.

Kommentar zum Bundesratsentscheid

Wie lange haben wir auf diesen Moment gewartet? Die Beizen dürfen auch ihre Innenbereiche endlich wieder öffnen. Freude herrscht! Seit dem 23. November war die Basler Gastronomie ununterbrochen im Zwangslockdown. Alles wieder gut also? Mitnichten. Angesichts der nach wie vor geltenden Beschränkungen und Schutzkonzepte kann noch lange nicht von «Normalbetrieb» gesprochen werden. Zudem verstrickt sich der Bundesrat mit zunehmenden Lockerungen in einem immer wirreren Dickicht an Mikromanagement-Massnahmen, sei es bei der KMU-untauglichen Home-Office-Regelung oder der komplexen Handhabung von Grossveranstaltungen.

Patrick Erny, Leiter Politik

Es zeigt sich: Der Bundesrat tut sich nach wie vor sehr schwer auf dem Weg zurück in die Normalität. Dies beweist auch seine Medienmitteilung zur «Normalisierung der Wirtschaftspolitik» vom 26. Mai, in welcher er festhält, dass, nachdem alle impfwilligen erwachsenen Personen vollständig geimpft sind (voraussichtlich im August), «keine starken gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einschränkungen» mehr zu rechtfertigen seien. Da stellen sich doch zwangsläufig die Fragen, was denn unter «nicht-starken» gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einschränkungen zu verstehen ist und unter welchen Bedingungen diese dann aufgehoben werden können. Fazit: Wirtschaft und Bevölkerung sind gut beraten, den Druck auf die Politik, möglichst zügig und vollständig zurück zum «Courant normal» zurückzukehren, unvermindert hochzuhalten.