BG Mitte vergrössert Kundenbasis

18.11.2021

Dank der Covid-19-Kredite der Bürgschaftsgenossenschaft BG Mitte konnten sich 2020 tausende KMU über die Pandemiezeit hinwegretten. Innert Wochen hat sich die Kundenbasis von rund 300 auf gut 28’000 erhöht. Dies entspricht fast dem Hundertfachen.

BG Mitte

2020 war für die BG Mitte ein aussergewöhnliches Jahr. So stellte die Bürgschaftsgenossenschaft im vergangenen Jahr rund 3,1 Milliarden Franken kurzfristig als Covid-19-Kredite bereit. Grundlage ist das vom Bundesparlament verabschiedete Covid-19-Solidarbürgschaftsgesetz. Dieses teilt den vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) vier anerkannten Bürgschaftsgenossenschaften bei der Bewirtschaftung der Kredite massgebliche Aufgaben zu. Per Juli 2021 unterstützte die BG Mitte rund 26’100 Unternehmen mit Covidkrediten. Wie dem Jahresbericht 2020 zu entnehmen ist, bürgte die BG Mitte per Jahresende noch für 27’164 Covid-19-Überbrückungskredite bis zu einer halben Million Franken in einer Gesamthöhe von 2,75 Milliarden Franken. Hinzu kamen weitere 264 sogenannte Covid-Plus-Kredite in der Höhe von mehr als einer halben Million Franken. Hier lag der Gesamtbetrag per Ende Jahr bei rund 721 Millionen Franken.

Am meisten in Anspruch genommen wurde die Unterstützung durch die BG Mitte von Unternehmen aus den Bereichen Handel, Instandhaltung und Reparatur von Motorfahrzeugen, gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe, dem Gastgewerbe und der Hotellerie, dem Baugewerbe sowie Unternehmen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen.

Belegschaft vergrössert

Damit die BG Mitte die Bürgschaften auch mittel- bis langfristig betreuen kann, hat sie die Belegschaft vergrössert und neu strukturiert. Diese war – und ist – nicht zuletzt auch darauf bedacht, die korrekte Abwicklung sicherzustellen. Obschon also die Kreditbürgschaften durch die BG Mitte in einem bislang nie gesehenen Ausmass stattfand, machte sie keinerlei Abstriche bei der Missbrauchsbekämpfung und der Überprüfung der Mittelverwendung. Für die Kreditnehmer brachte dies zum Teil einschneidende Massnahmen mit sich, da der Spielraum für die BG Mitte im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben klar beschränkt ist.

Startups oftmals zwischen Stuhl und Bank

Laut Philipp Spichty, Verwaltungsrat und Stv. Direktor des Gewerbeverbands Basel-Stadt, erkannte man indes schon früh, dass Startup-Unternehmen bei der Vergabe von Covid-19-Krediten nicht selten zwischen Stuhl und Bank fallen. Der Grund: Bei der Gewährung allfälliger Kredite wird auf die Grösse des Umsatzes der Unternehmung abgestützt. Dieser ist bei Startups naturgemäss eher tief. «Aus diesem Grund hat der Bund mit den teilnehmenden Kantonen – im Tätigkeitsgebiet der BG Mitte waren dies die Kantone Basel-Stadt, Baselland, Bern, Jura, Luzern und Solothurn – ein Bürgschaftsprogramm für diese Zielgruppe ausgestaltet.» Dabei haben die Bürgschaftsorganisationen die Abwicklung übernommen und so diese wichtige Massnahme für die Startups unterstützt, sagt Philipp Spichty.

Unternehmen legen Investitionen teils auf Eis

Während die BG Mitte bei den Covid-19-Krediten ein exorbitantes Wachstum erlebte, hat sich die Neuverbürgung von ordentlichen KMU-Krediten im Jahresvergleich mit rund zwölf Millionen Franken leicht unter dem Durchschnitt entwickelt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass viele Unternehmen während der Pandemiephase ihre geplanten Investitionen vorerst auf Eis legten. Im Gegenzug kam es 2020 bei der BG Mitte auch zu weniger Verlusten durch ausgelöste Bürgschaften.

 

Fünf Fragen an…

Philipp Spichty, Verwaltungsrat BG Mitte

Herr Spichty, was fasziniert Sie an Ihrem Engagement in der BG Mitte?

Philipp Spichty: Für mich ist es eine enorme Freude zu wissen, dass die BG Mitte einen wesentlichen Beitrag leistet, die Rahmenbedingungen für die KMU zu verbessern und damit auch für die gesamte Schweizer Volkswirtschaft eine bedeutende Rolle spielt. Dadurch, dass die BG Mitte gewerbliche KMU fördert und die Sicherstellung von risikobehaftetem Kapital bei den Banken unterstützt, erhält die Genossenschaft Arbeitsplätze – und sie trägt oftmals dazu bei, dass neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Wie hat sich die BG Mitte während der Pandemie-Phase gewandelt?

Insbesondere die vergangenen zwei Jahre waren für die BG Mitte – wie auch für die gesamte Wirtschaft – eine besondere Herausforderung. Nachdem das Parlament in Bundesbern die gesetzlichen Grundlagen für die Abwicklung der Covid-19-Kredite geschaffen hatte, ist die Kundenbasis bei der BG Mitte innert weniger Wochen regelrecht explodiert. Man kann sich vorstellen, was dies für die Belegschaft der Geschäftsstelle bedeutete. Ich kann den Direktor Valentin Werlen und sämtlichen Mitarbeitenden nur ein Kränzchen winden.

Wo sehen Sie die Herausforderungen der BG Mitte in den kommenden Jahren?

Die BG Mitte ist bestrebt, ihre Bedeutung für das Gewerbe, die Banken und die Volkswirtschaft insgesamt auszubauen. Dies ist uns in den vergangenen Jahren sehr gut gelungen. Nun geht es darum, vor dem Hintergrund dieses quantitativen Wachstums auch das qualitative Wachstum beizubehalten. Das Motto lautet: «Qualität vor Quantität».

Wie kommen KMU an eine Bürgschaft der BGM Mitte?

Der Ablauf erfolgt in vier Schritten. Zunächst reicht das KMU ein vollständig ausgefülltes Bürgschaftsgesuch ein. Im zweiten Schritt prüft die BG Mitte das Gesuch in Zusammenarbeit mit der Bank des Gesuchstellers. Wir besuchen die Unternehmung und erstellen einen Bericht.  Im dritten Schritt erfolgt die Genehmigung des Gesuchs durch das entsprechende Organ der BG Mitte innert spätestens fünf Arbeitstagen. Der vierte Schritt schliesslich beinhaltet die Abwicklung der Bürgschaft.

Was umfasst diese Abwicklung?

Zunächst wird der Bürgschaftsvertrag ausgestellt und unterzeichnet. Sodann reicht der Bürgschaftsnehmer die vereinbarten notwendigen Sicherheiten ein und bezahlt die Kosten. Danach stellt die BG Mitte den Bürgschein direkt zuhanden der Bank des Bürgschaftsnehmers aus.