Philipp Spichty: «Ich möchte die zentralen Werte der UWP weiter stärken»

07.12.2021

Seit Juli 2021 ist Philipp Spichty Präsident des Stiftungsrates der UWP Sammelstiftung. Im Interview spricht der Stellvertretende Direktor des Gewerbeverbandes Basel-Stadt über den Reiz dieser Aufgabe, die Positionierung der UWP Sammelstiftung sowie über die Herausforderungen der beruflichen Vorsorge generell.

Herr Spichty, seit etwas über 100 Tagen engagieren Sie sich als Präsident der UWP Sammelstiftung. Was sind Ihre Eindrücke?

Philipp Spichty: Die Aufgabe ist spannend, sowohl die intensive Vorbereitung als auch die Diskussionen im Gremium – insbesondere, weil das Thema Vorsorge uns alle betrifft. Mich beeindrucken die gute Teamatmosphäre und die Dynamik dieser Organisation. Ganz neu ist das für mich allerdings nicht, da ich die UWP Sammelstiftung nun schon seit einiger Zeit begleite. So bin ich seit über zwei Jahren Vorsitzender der Marketing-Kommission und damit mitverantwortlich für den neuen Auftritt der UWP gegen aussen.

Aber als Stiftungsratspräsident haben Sie nun eine andere Funktion. Was ist dabei wichtig?

Der Stiftungsrat soll die UWP Sammelstiftung dabei unterstützen, sich weiter auf seine Stärken zu konzentrieren und sich auf den Markt auszurichten, um den Bedürfnissen der Kunden zu entsprechen.

Meine Aufgabe ist es auch, konstant zu hinterfragen und neue Impulse zu geben. Als SR-Präsident habe ich diesbezüglich eine besondere Verantwortung, die ich sehr gerne wahrnehme. Wichtige Elemente dabei sind Durchhaltevermögen, eine aktive und offene Kommunikation sowie die Einbindung der zentralen Interessensgruppen.

Was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Die Vielseitigkeit der Aufgabe, die gute Zusammenarbeit im Stiftungsrat und mit der Geschäftsstelle der UWP, der BERAG, sowie das dynamische Umfeld. Für viele mag die berufliche Vorsorge eine etwas trockene und statische Thematik sein. Ich finde das nicht. Erstens betrifft die berufliche Vorsorge uns alle und ist demnach hochrelevant. Und zweitens gibt es viele Handlungsmöglichkeiten für dynamische Organisationen – gerade was Themen wie Vermögensanlagen, unterschiedliche Vorsorgemodelle aber auch die Digitalisierung betrifft.

Digitalisierung wird oft als Worthülse ohne konkreten Inhalt verwendet…

Die UWP Sammelstiftung nimmt punkto Digitalisierung eine Vorreiterfunktion in der Pensionskassen-Landschaft ein. Digitale Instrumente ermöglichen es uns, den Grundsatz «nah beim Kunden» auch wirklich umzusetzen. Neu hat die UWP Sammelstiftung ein Firmenportal lanciert, mit dem die Pensionskassenvorfälle autonom und in Echtzeit abgewickelt werden können. Im Unterschied zu herkömmlichen Webaccess-Lösungen ist das neue UWP-Firmenportal auch mit der Stiftungsbuchhaltung und dem Anlageportfolio der UWP verbunden. Auch hat die UWP bereits im September 2017 ihre Versicherten-App lanciert. Diese ist bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sehr beliebt und ermöglicht es der UWP, in direkten Kontakt mit ihren Versicherten/Destinatären zu treten.

Was kann diese App?

Die UWP App ist für iOS und Android erhältlich und verbindet die Versicherten jederzeit live mit den Verwaltungssystemen der UWP. Diese können so immer und überall auf ihre persönlichen Vorsorgedaten zugreifen, Simulationen durchführen und sich Vorsorgefragen beantworten lassen. Wenn jemand zum Beispiel wissen will, welche konkreten Auswirkungen das Schliessen einer Vorsorgelücke auf die zu erwartende Rente hat, kann er oder sie das mit ein paar Clicks erfahren. Wichtig ist: Auch wenn die UWP Sammelstiftung derzeit eine Vorreiterin in Sachen Digitalisierung ist, dürfen wir uns nicht darauf ausruhen, sondern müssen immer weiter neue Möglichkeiten prüfen und Angebote entwickeln. Hier spielt die BERAG als Geschäftsstelle der UWP die zentrale Rolle. Die BERAG als grosser und etablierter Pensionskassen-Dienstleister ist schweizweit führend, wenn es um die Weiterentwicklung von digitalisierten Plattformen geht.

Wie beurteilen Sie die Positionierung der UWP Sammelstiftung mit Blick auf die Zukunft?

Die UWP ist sehr gut aufgestellt. Das zeigte auch das kontinuierliche Wachstum der letzten Jahre. Seit 2004 ist die UWP von 1000 Destinatären auf 9000 Destinatäre im letzten Jahr gewachsen. Im 2022 wird die 10’000-Marke überschritten. Und die Bilanzsumme ist von 100 Millionen auf aktuell fast 2 Milliarden Franken gewachsen. Das liegt daran, dass die UWP und die BERAG ihre Dienstleistungen stetig weiterentwickeln und ihre Hausaufgaben laufend machen.

Wie meinen Sie das?

Zum Beispiel mit dem Produkt «Tutto», eine «Separate Account»-Lösung für firmeneigene Vorsorgeeinrichtungen oder mit den fünf offenen Anlagepools, aus denen KMU auswählen können, um eine für sie optimale Vorsorge- und Anlagelösung zu bekommen. Mit «Hausaugaben machen» meine ich aber vor allem das vorausschauende Handeln aufgrund der demographischen Herausforderungen und der Entwicklung des Finanzmarktes, Stichworte wie Umwandlungssatz und Altersguthaben-Verzinsung.

Ein grosses Thema. Seit Jahrzehnten versucht die Politik bisher erfolglos, das Vorsorgesystem zu reformieren.

Ja, das ist richtig. Man geht davon aus, dass 2050 nur noch die Hälfte der Bevölkerung erwerbstätig ist. Das allein zeigt den enormen Handlungsbedarf. Die Absenkung des Umwandlungssatzes ist dringend notwendig. Eine Anpassung des Rentenalters gegen oben und ein tiefer angesetzter Koordinationsabzug sind ebenfalls sinnvoll. Nur so kann ein System der Generationen-Fairness etabliert werden. Aber unabhängig von der BVG-Reform auf politischer Ebene haben die Pensionskassen heute schon Möglichkeiten, um diese Herausforderungen vorausschauend anzugehen und ihre Hausaufgaben zu machen.

Wie handelt die UWP konkret?

Zum Beispiel mit einem Umwandlungssatz von 5,2 Prozent sorgt die UWP Sammelstiftung dafür, dass die vorhandenen Altersguthaben auch langfristig für die Pensionierung reichen und keine unfaire Umverteilung stattfindet. Die vorausschauende, realistische und faire Strategie ist für mich ein grosses Plus der UWP Sammelstiftung. Seriosität und Nachhaltigkeit werden auch in Zukunft Erfolgsfaktoren der UWP Sammelstiftung sein. Diese Werte möchte ich als Präsident des Stiftungsrates weiter stärken.