«Der Strompreis hat sich verfünfzehnfacht»

04.10.2022

Die explodierenden Strompreise sind derzeit eines der Hauptthemen bei zahlreichen KMU. Insbesondere Unternehmen, welche den Strom auf dem «freien» Markt beziehen und ihren Vertrag erneuern müssen, trifft es hart. Ein Beispiel ist die Confiserie Brändli AG, wie Inhaber Michael Grogg bestätigt.

Michael Grogg, Inhaber Confiserie Brändli AG. Foto: Raffi p.n. Falchi | fotografie

«kmu news»: Herr Grogg, inwiefern treffen Sie die steigenden Stromkosten?
Michael Grogg: Das Problem betrifft uns ganz direkt. In den vergangenen drei Jahren bezahlten wir auf dem freien Markt etwas mehr als 6 Rappen pro Kilowattstunde Strom. Ab 2023 sollen wir rund 95 Rappen bezahlen. Allein für die Produktion an der Lindenhofstrasse und ohne die Verkaufsstellen in Basel, Riehen und Arlesheim bedeutet dies eine Zunahme der effektiven Elektrizitätskosten um 140 000 Franken.

Das liege an der Gasknappheit wegen des Ukrainekriegs und an den abgeschalteten französischen Atomkraftwerken, heisst es.
Wir haben über die IWB bisher explizit «grünen» Strom aus Schweizer Produktion, also aus Wasser-, Sonnen- und Windproduktion bezogen – und dafür auch aus ökologischer Überzeugung gerne mehr bezahlt. Eine derartige Teuerung für Strom, der in der Schweiz produziert wird, kann ich nur schwer nachvollziehen. Der Strompreis hat sich verfünfzehnfacht.

Aber Sie haben bisher auf dem sogenannten «freien» Markt immer noch weniger bezahlt als in der Grundversorgung, da haben Sie doch auch profitiert, nicht wahr?
Das ist richtig. Aber das gesparte Geld ist nicht in Gewinne geflossen. Wir haben es investiert. Und zwar explizit in die energetische Erneuerung unserer Produktionsmittel. Erst gerade haben wir ein neues Elektrofahrzeug in Betrieb genommen und unserem Elektroinstallateur das OK für den Bau einer Photovoltaikanlage gegeben. Strompreise auf dem aktuellen Niveau können wir ab dem kommenden Januar nicht bezahlen. Und natürlich können wir bei derartigen Stromkosten erst recht keine weiteren Investitionen in die energetische Erneuerung der Produktion tätigen.

Was würde es bedeuten, wenn Sie bis Ende Jahr keine Lösung mit den IWB finden?
Ich bin zuversichtlich, dass wir mit den IWB noch zu einer einvernehmlichen Lösung kommen werden, welche für beide Seiten stimmt. Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass eine Preiserhöhung im ein- oder sogar zweistelligen Prozentbereich zu erwarten ist – aber doch nicht eine Verfünfzehnfachung.
Sollte der Strompreis in der Zukunft so volatil bleiben, wäre für uns eine Rückkehr in die Grundversorgung die beste Lösung. Falls dies nicht möglich ist, rechnen wir fest damit, dass die IWB uns ein Modell vorschlagen werden, welches uns nicht existentiell bedroht.