02.04.2026
Abfall-Analyse: So wird Gewerbeabfall zu Rohstoff
Laut einem neuen Analysebericht im Auftrag von BaselCircular stammt rund die Hälfte der Abfälle in der KVA Basel aus Industrie und Gewerbe – und genau hier schlummert ein wirtschaftliches Potenzial für die KMU.
Was landet eigentlich in den Containern der Basler Betriebe? Während beim Haushaltsabfall eine gute Datenbasis existiert, blieb der Marktkehricht aus Gewerbe und Industrie bisher eine Blackbox. Die GÖBEK GmbH hat im Auftrag von BaselCircular nun Licht ins Dunkel gebracht. Die Untersuchung basiert auf Datenanalysen und Interviews mit Entsorgern, Behörden und Unternehmen aus der Region.
Das Ziel ist ambitioniert: Basel will bis 2037 klimaneutral werden. Da die Kehrichtverwertungsanlage (KVA) Basel zu den grössten CO2-Emittenten im Kanton zählt, führt kein Weg an einer Reduktion der Abfallmengen vorbei. Doch der vorliegende Bericht macht deutlich: Abfalltrennung muss für KMU praktikabel und finanziell tragbar sein.
Warum nicht mehr recycelt wird
Die Erkenntnisse sind ehrlich: In vielen Betrieben hat Abfallmanagement eine geringe Priorität, da das Kerngeschäft im Vordergrund steht. Die Entsorgung im Kehricht ist oft schlichtweg zu günstig und unkompliziert. Wer trennt, braucht mehr Platz für Container, schult sein Personal und trägt oft höhere Logistikkosten – ein Aufwand, der sich bei schwankenden Marktpreisen für Recyclingmaterial häufig kaum zu rechnen scheint.
Besonders im Fokus stehen Kunststofffolien. Zwar sind transparente Folien gesuchte Rohstoffe. Dennoch landen sie heute massenweise im Ofen, weil die Mengen im einzelnen KMU oft zu klein für eine wirtschaftliche Separatsammlung sind.
Gemeinsam statt einsam: Kosten senken
Die Studie liefert konkrete Rezepte für das Gewerbe. Ein zentraler Ansatz sind Cluster-Lösungen. Die Idee: Benachbarte Betriebe nutzen gemeinsam eine Ballenpresse oder koordinieren ihre Logistik. Das spart Platz auf dem Betriebsgelände, senkt die Transportkosten und macht die Verwertung durch gebündelte Mengen attraktiver.
Zudem setzt die Untersuchung auf moderne Technik. Digitale Abfallbilanzen sollen Transparenz schaffen, wo heute bloss geschätzt wird. KI-gestützte Sensoren könnten künftig beim Leeren der Container erkennen, wenn wertvolle Stoffe fälschlicherweise im Abfall landen, und so direkte Rückmeldungen an den Betrieb ermöglichen.
Fazit für das Basler Gewerbe
Mit gezielten Anreizen – etwa einem Bonus-System für saubere Trennung – und regionalen Kooperationen könnte das Basler Gewerbe Entsorgungskosten senken und gleichzeitig die Kreislaufwirtschaft stärken. Auf diese Weise blieben grosse Teile des Gewerbeabfall wertvoller Rohstoff.