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Digitalisierung im Bauwesen: «Pläne ausdrucken fällt künftig weg»

Digitalisierung im Bauwesen: «Pläne ausdrucken fällt künftig weg»

Luzia Wigger Stein erklärt, wie die elektronische Baubewilligung Papierberge ersetzt und die Prozesse für Planungsbüros effizienter gestaltet.

Das Basler Bau- und Gastgewerbeinspektorat stellt auf die vollständig elektronische Einreichung von Baugesuchen um. Im Interview erläutert Amtsleiterin Luzia Wigger Stein die Vorteile durch den Wegfall von Postwegen und doppelten Erfassungen. Während die rechtliche Komplexität der Verfahren unverändert bleibt, sollen die Bearbeitungszeiten durch den zentralen Zugriff auf Unterlagen spürbar verkürzt werden. Ziel ist es, die Einhaltung gesetzlicher Fristen von heute 70 auf künftig 90 Prozent zu steigern.

Luzia Wigger Stein, was bedeutet die aktuelle Digitalisierung des Baubewilligungsverfahrens konkret?

Luzia Wigger Stein: Die vollständige Digitalisierung des Baubewilligungsverfahrens bedeutet, dass Gesuche, Unterlagen und Stellungnahmen künftig elektronisch eingereicht und bearbeitet werden. Analoge Schritte bleiben dort bestehen, wo sie gesetzlich oder praktisch notwendig sind, etwa bei Ortsterminen der Baukontrolle, der Anzeige eines Projekts im Gelände, der Einreichung einer Einsprache sowie der Zustellung des Bau- und Einspracheentscheids.

Wie verändert sich der Ablauf für Gesuchstellerinnen und Gesuchsteller?

Für Gesuchstellerinnen und Gesuchsteller wird die Einreichung einfacher, weil sie ihre Baugesuche und sämtliche Unterlagen künftig elektronisch eingeben können. Das erspart ihnen das umständliche und kostspielige Ausdrucken und Unterschreiben der Pläne und Formulare. Neue Anforderungen entstehen hauptsächlich in Bezug auf die elektronische Strukturierung der Unterlagen, zum Beispiel Dateiformate, Bezeichnung, Zuordnung. Die Gesuchstellerinnen und Gesuchsteller werden dabei durch klare Anleitungen, Upload-Hilfen und Validierungsschritte unterstützt. Die direkte Kommunikation mit den Prüfbehörden und die Auskunft über den Verfahrensstand erfolgen weiterhin über die zuständige Behörde, nicht über die Plattform selbst.

Wie stellen Sie sicher, dass die Kommunikation zur Einführung des digitalen Baubewilligungsverfahrens alle Anspruchsgruppen erreicht?

Wir informieren gezielt in der Anwendung selbst, ausserdem informieren wir die interessierten Verbände direkt sowie die Öffentlichkeit mit einer Medienmitteilung. Zusätzlich bieten wir individuellen Support für Fachpersonen an: Diese können online einen Termin buchen und erhalten im 1:1-Format direkte Unterstützung bei der Einreichung ihres Baugesuchs. So stellen wir sicher, dass die Planungsbüros den neuen Prozess sicher anwenden können.

Wie verhindern Sie, dass der digitale Prozess lediglich die bestehende Komplexität digital abbildet, statt sie zu reduzieren?

Die Komplexität des Baubewilligungsverfahrens wird nicht reduziert, aber der Umgang damit deutlich effizienter: Informationen stehen zentral und allen involvierten Stellen gleichzeitig zur Verfügung, Unterlagen müssen nicht mehrfach angelegt, ausgetauscht und transportiert werden. Kurz: Wir digitalisieren die analoge Arbeit, nicht die Entscheidungsstrukturen.

Wie stellen Sie sicher, dass trotz Automatisierung klare Verantwortlichkeiten bei Verzögerungen oder Fehlern bestehen?

Die Digitalisierung unterstützt die Prozesse, ersetzt aber keine Zuständigkeiten – die Verantwortung liegt weiterhin bei den beteiligten Fachstellen und Behörden. Auch im digitalen Verfahren bleibt jede Aufgabe einer klar definierten Stelle zugeordnet. Die Plattform dokumentiert die Schritte nachvollziehbar, sodass Verantwortlichkeiten bei Verzögerungen oder Fehlern jederzeit erkennbar bleiben.

Welche messbaren Verbesserungen erwarten Sie bei den Bearbeitungszeiten?

Wir erwarten, dass sich die Bearbeitungszeiten mittelfristig verkürzen werden. Dies vor allem durch den Wegfall von Papierprozessen, Postwegen und doppelten Erfassungen. Es ist schwer zu schätzen, wie stark die Verkürzung der Durchlaufzeiten sein und wie schnell die Verkürzung statistisch messbar wird. Dies,a da die Fälle extrem heterogen sind. Stellen Sie sich einen Neubau eines Spitals im Vergleich zu einer Sanierung eines Einfamilienhauses vor – trotz des enormen Unterschieds beim Umfang beider Projekte erscheinen beide als je ein Baubewilligungsverfahren in der Statistik. Der Effizienzgewinn der Digitalisierung ist vor allem bei den komplexen Vorhaben gross, bei denen grosse Datenmengen im Spiel sind. Wir bearbeiten momentan ca. 70 Prozent der Gesuche innerhalb des gesetzlich vorgegebenen Zeitrahmens, der drei Monate bei einfachen und ein Jahr bei komplizierten Fällen beträgt. Bis in drei Jahren soll dieser Wert auf 90 Prozent steigen.