09.07.2025
Emissionsfreie Baustellen bis 2037: Basel-Stadt startet Pilotprojekt
Basel-Stadt will bis spätestens 2037 emissionsfreie Baustellen realisieren – so sieht es der Klimaschutzaktionsplan vor. Die Antwort des Regierungsrats auf einen Vorstoss aus der Wirtschaft zeigt: Erste Pilotprojekte laufen, doch bis zur flächendeckenden Umsetzung ist es noch ein weiter Weg.
Mit dem Klimaschutzaktionsplan 2037 hat sich Basel-Stadt ambitionierte Ziele gesetzt. Bis dahin soll der Kanton weitgehend klimaneutral sein. Dazu beitragen sollen auch emissionsfreie Baustellen – nicht nur jene des Kantons selbst, sondern alle Baustellen im Kantonsgebiet. Diese verursachen aktuell rund 9’100 Tonnen CO₂ pro Jahr, was etwa 1,5 Prozent der kantonalen Emissionen entspricht. Zwar ist der Anteil im Vergleich eher gering, dennoch will der Regierungsrat hier Fortschritte erzielen.
Bis Ende Mai 2025 waren im Kanton Basel-Stadt gemäss Motorfahrzeugkontrolle insgesamt 342 Baumaschinen und Baugeräte registriert, wovon 65 elektrisch betrieben werden. Damit liegt der Anteil elektrisch betriebener Maschinen derzeit bei rund 19 Prozent. Der Regierungsrat plant zudem, die eigene Flotte des Tiefbauamts und der Stadtgärtnerei bis 2030 zu 80 Prozent zu elektrifizieren.
Erste Schritte: Pilotprojekt und Analyse
Die nun veröffentlichten Antworten beziehen sich auf einen Vorstoss von Grossrätin Jenny Schweizer, der Anliegen des Gewerbeverbands Basel-Stadt aufnimmt. Konkret bezieht sich der Vorstoss auf die Massnahme «Etablierung lokal CO₂-emissionsfreier Baustellenbetriebe» aus dem Klimaschutzaktionsplan. Geplant ist ein schrittweises Vorgehen: Zunächst wird die aktuelle Situation umfassend analysiert. Dazu gehört auch ein Pilotprojekt, bei dem beim Bau von zwei unterirdischen Wertstoffsammelstellen ein Standort mit herkömmlichen Dieselmaschinen und der andere mit elektrischen Maschinen realisiert wird. Begleitet wird das Projekt von der Hochschule Luzern, welche ökologische und betriebswirtschaftliche Aspekte untersucht. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für weitere Entscheide dienen.
Konzept gemeinsam mit der Bauwirtschaft
In einem nächsten Schritt soll gemeinsam mit den regionalen Baumeisterbetrieben ein Konzept erarbeitet werden, wie Infrastruktur, Beschaffung und Betrieb angepasst werden können. Erst danach entscheidet der Regierungsrat, ob und wie die Massnahme weiterverfolgt wird. Fällt der Entscheid positiv aus, folgen bis 2037 weitere Massnahmen – darunter der Aufbau von Anreizsystemen für die Bauwirtschaft, mögliche neue Vorgaben für kantonseigene Baustellen sowie rechtliche Anpassungen.
Der Regierungsrat macht jedoch klar, dass das Ziel emissionsfreier Baustellen stark von nationalen und internationalen Entwicklungen abhängt, beispielsweise der Batterietechnologie oder der Marktdurchdringung schwerer Baumaschinen und -geräte, auf die Basel-Stadt nur bedingt Einfluss hat. Entsprechend sollen technologische Alternativen wie synthetische Treibstoffe oder HVO weiterhin geprüft werden.
Herausforderungen bei Strominfrastruktur und Planungssicherheit
Ein weiteres Problem bleibt die Stromversorgung: Elektrische Baumaschinen benötigen leistungsfähige Anschlüsse direkt auf der Baustelle, was heute oft nicht gewährleistet ist. Die IWB investiert deshalb rund 50 Millionen Franken jährlich in den Netzausbau, um künftig auch Baustellen zuverlässig versorgen zu können.
Für die Bauwirtschaft ist entscheidend, dass Unternehmen frühzeitig einbezogen werden und realistische Übergangsfristen gewährt werden. Der Gewerbeverband Basel-Stadt betont, dass der Kanton mit seiner Elektrifizierungsstrategie für die eigene Flotte zwar eine Vorbildfunktion hat, jedoch über ganz andere finanzielle Mittel und Voraussetzungen verfügt als private Bauunternehmen. Deshalb dürfe nicht direkt von der kantonseigenen Beschaffung auf die Privatwirtschaft geschlossen werden. Betriebe benötigen ausreichend lange Vorlaufzeiten, um Investitionen seriös planen und umsetzen zu können.
Wettbewerbsfähigkeit und realistische Vorgaben sichern
Der Gewerbeverband Basel-Stadt begrüsst, dass Basel-Stadt die weiteren Schritte gemeinsam mit der Branche plant und Fragen zu möglichen Wettbewerbsnachteilen gegenüber Baselland im Konzept berücksichtigen will. Eine enge Abstimmung zwischen den beiden Kantonen wäre aus Sicht des Gewerbeverbands Basel-Stadt wichtig, um unterschiedliche Vorgaben und daraus entstehende Wettbewerbsnachteile zu vermeiden.
Grundsätzlich unterstützt der Gewerbeverband Basel-Stadt die Stossrichtung des Kantons, mahnt jedoch zu realistischen Vorgaben. Die Ziele des Klimaschutzaktionsplans sind ambitioniert und müssen so gestaltet sein, dass sie für Unternehmen auch tatsächlich umsetzbar bleiben. Entscheidend sind Lösungen, die praxistauglich und wirtschaftlich tragbar sind, verbunden mit ausreichend langen Übergangsfristen und einem raschen Ausbau der notwendigen Infrastruktur. Nur unter diesen Voraussetzungen kann die Elektrifizierung von Baustellen langfristig gelingen.