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Soloselbstständige Ansicht von oben- in der Mitte Reto Baumgartner web

Erstes Treffen für Solo-Selbstständige in Basel

Erstes Treffen für Solo-Selbstständige in Basel

Im Volkshaus hat der Gewerbeverband Basel-Stadt erstmals Kleinstunternehmer/-innen vernetzt und in Kooperation mit der Startup Academy und mit Unterstützung der Christoph Merian Stiftung ein massgeschneidertes Förderprogramm für Solo-Preneurs lanciert.

«Ich komme mir manchmal vor wie eine Jongleurin, die in einem Rönrad auf einem Hochseil balanciert», beschrieb Ananda Staudenmann ihren Arbeitsalltag im Volkshaus Basel. Die Inhaberin der «Praxis ananda – ganzheitliche Körpertherapie und Trainings» sprach am Donnerstagabend, 4. Juni 2026, das aus, was viele im Saal fühlten.

Unter dem Radar

Der Gewerbeverband Basel-Stadt hatte zum ersten grossen Treffen für Solo-Selbstständige geladen, denn die Solo-Preneurs leisten zwar einen wichtigen Beitrag zur Basler Wirtschaft. Aber sie verfügen über keine Lobby. Sie sind gewissermassen unter dem Radar.

Im Zentrum des Abends standen darum die realen Erfahrungen von rund 60 Basler Kleinstunternehmern sowie die Vorstellung eines neuen Unterstützungsprogramms. Gewerbedirektor Reto Baumgartner führte als Moderator durch den Abend und holte vier Basler Solo-Selbstständige für Kurzinterviews auf die Bühne.

Sichtbarkeit und Vernetzung

Die Schilderungen machten deutlich, wie anspruchsvoll die Existenz ohne eigenes Personal ist. Ananda Staudenmann betonte: «Man macht einfach wirklich alles selbst als Solo-Preneur. Anders ginge es auch nicht, weil es zu teuer würde.» Auf die Frage von Baumgartner, was sie rückblickend anders angehen würde, meinte Staudenmann, sie würde von Beginn weg ein starkes Netzwerk aufbauen. «Genau darum ist ein Anlass wie heute wichtig, denn er bringt Sichtbarkeit und hilft beim Vernetzen.»

Herausforderung KI

Die technologische Komponente brachte Christian Gehrig ein. Der Webentwickler ist seit 20 Jahren selbstständig und beobachtet die jüngsten Entwicklungen genau. Er hielt fest, dass die Entwicklung mit KI stark vorangeschritten sei. «Dies wird meine Arbeit massiv beeinflussen», so Gehrig. Die neue Technologie sei zwar eine Erleichterung, aber viele Leute hätten nun das Gefühl, dass sie die Webentwicklung auch selbst hinbekommen.

Als grösste Hürde im Alltag ortete er administrative Pflichten. Das Problem als Solo-Selbstständiger sei, dass viele wichtige Aufgaben liegenbleiben, die man nicht so gerne erledige. Als Beispiel nannte er Steuererklärungen. Die Lacher im Publikum zeigten, dass Gehring mit dieser Erfahrung keineswegs alleine ist. Sein Fazit für einen Neustart fiel deutlich aus: «Könnte ich nochmals beginnen, würde ich wohl von Beginn weg versuchen, nicht alleine unterwegs zu sein, sondern mit einem Partner oder einer Partnerin das Geschäft aufzubauen.»

Optimismus trotz Risiken

Dass der Schritt in die Selbstständigkeit trotz aller Risiken mit Optimismus angegangen wird, bewies Cyrill Klapka, zertifizierter ADHS-Coach in Basel. Er schilderte den Moment seines Aufbruchs: «Ich kam an den Punkt, an dem ich sagte: Es muss sich etwas ändern.» Sein grosser Vorteil beim Start war, dass er aus seiner 30-jährigen Tätigkeit im KMU-Umfeld mit einem gewissen Netzwerk starten konnte. Klapka hielt fest, dass er mit seiner Solo-Selbstständigkeit noch am Anfang stehe.

Einen markanten Kontrast dazu bildete der Bericht von Nina Gamsachurdia, die ursprünglich aus Georgien stammt. Sie blickt auf eine lange Karriere zurück und ist seit 35 Jahren selbstständig als Kunsthistorikerin, Kunstmalerin und Restauratorin. Als ihre grösste Herausforderung nannte sie lange Arbeitstage: «16 Stunden sind normal.» Dieser Umstand mache die Planbarkeit schwierig und das Ganze sei auch sehr anstrengend.

Basis-Check zur Standortbestimmung

Nach den Praxisberichten erläuterte Markus J. Fischer, Geschäftsführer der Startup Academy, im Gespräch mit Reto Baumgartner die ersten praktischen Schritte des neuen Angebots. Dieses umfasse unter anderem einen kostenlosen «Basis-Check Soloselbstständige» zur Standortbestimmung sowie Fachberatungen in kritischen Bereichen wie Altersvorsorge, Risikoabsicherung, Marketing oder digitale Positionierung.

Zudem stehen der Ausbau des Netzwerks und eine langfristige Begleitung im Fokus, um die Isolation der eigenen Praxis oder des Büros zu durchbrechen. Das Programm läuft bereits an, und die Startup Academy hat in der Praxis schon rund zehn Erstgespräche mit Solo-Selbstständigen geführt.

Systematische Bedürfnisabfrage

Nach dem offiziellen Teil verlagerte sich das Geschehen im Volkshaus in den informellen Austausch. Beim Apéro Riche nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen auszutauschen.

Während des Abendessens wurden die Anwesenden direkt in die Weiterentwicklung des Programms eingebunden, indem auf Flipcharts eine systematische Bedürfnisabfrage stattfand. Mittels eines Ampelsystems markierten die Solo-Selbstständigen, wo bei ihnen der Schuh am stärksten drückt.

Anwesende formulieren Wünsche an das Projekt

Ein separater Flipchart mit dem Titel «wünsch dir was» bot zudem Platz für konkrete Erwartungen und Wünsche an das neue Projekt. Die Feedback-Wände wurden intensiv genutzt. Der Bedarf an Beratung und kollegialem Austausch unter den Basler Solo-Selbstständigen scheint gross. «Wir gehen mit unserem Angebot in die richtige Richtung», so Reto Baumgartner nach der Veranstaltung.

Impressionen vom Netzwerkanlass