28.05.2025
ESC 2025 – Die Welt zu Besuch in Basel
Der Eurovision Song Contest hat Basel europaweit ins Rampenlicht gerückt. Auch das lokale Gewerbe hat profitiert – manche Betriebe deutlich, andere im Hintergrund.
Was bleibt nach der ESC-Woche voller Farben, Musik und Begegnungen? 343 000 Besuche an den Veranstaltungsorten, 170 Millionen TV-Zuschauerinnen und -Zuschauern weltweit, 50 000 Logiernächte: Der ESC hat Basel ins Gespräch gebracht und sichtbar gemacht – und das in bester Verfassung.
Eine kurze Umfrage unter Basler Gewerbebetrieben liefert ein differenziertes, aber erfreuliches Bild. Die Stimmung in der Stadt war entspannt, die Organisation funktionierte reibungslos – und viele Betriebe konnten Umsatz und neue Zielgruppen gewinnen.
Steinen: viel Frequenz, viel Freude, viel Erfolg
Die Steinenvorstadt war die offizielle «Eurovision Street» und entsprechend stark frequentiert. Jürg Wartmann, Präsident des Vereins Pro Steinen und Mitinhaber der Brasserie Küchlin, zieht gegenüber den «kmu news» eine durchwegs positive Bilanz: «So voll wie an diesem Wochenende war es zuletzt zur EM 2008.» Besonders gefreut habe ihn die entspannte, friedliche Stimmung: «Die Menschen feierten fröhlich – und wir konnten einem neuen Publikum zeigen, dass die Steinen weit mehr ist als nur eine Burger-Meile.»
Auch wirtschaftlich stimmt das Fazit: «Wir haben unseren Wochenendumsatz verdoppelt. Ein Grund war sicher auch, dass die Tage bereits früh sehr belebt waren», so Wartmann. Für künftige Events wie die Frauenfussball-EM 2025 sieht er Potenzial: «Wir sind bereit, die Steinen wird wieder glänzen.»
Gastro: Standort und Konzept entscheidend
Maurus Ebneter, Präsident des Wirteverbands Basel-Stadt, betont in einer Medienmitteilung: «Basel hat sich der Welt als moderne Städtedestination und gut organisierter Veranstaltungsort präsentiert.» Die Stimmung sei von Lebensfreude geprägt gewesen. Betriebe mit unkomplizierten Konzepten – wie Bars, Imbisse oder Cafés – hätten stärker profitiert als klassische Restaurants, besonders dort, wo Nähe zu den offiziellen ESC-Schauplätzen bestand.
In derselben Mitteilung äussert sich auch Alain Schaub (McDonald’s): «Die Stimmung war wunderbar, speziell am Barfüsserplatz. Es war sehr friedlich und wir hatten einen tollen Austausch mit Gästen aus ganz Europa.» Und Frank Wassermann (Wassermann & Company AG), ergänzt: «Die Stimmung war gut und ausgelassen, die Menschen fröhlich und in Partylaune. Die Umsätze liegen in etwa auf den Prognosen.»
Tourismus: Langfristige Wirkung und internationale Sichtbarkeit
«Wir konnten zeigen, dass Basel eine Event-Stadt ist, die Grosses stemmen kann», sagt Letizia Elia, Direktorin Basel Tourismus, gegenüber den «kmu news». Mit mehr als 434 Millionen erreichten Kontakten zusätzlich zu den TV-Ausstrahlungen sei der ESC ein Quantensprung für die internationale Wahrnehmung gewesen. Über 50 akkreditierte Journalistinnen und Journalisten sowie 40 Influencerinnen und Influencer berichteten direkt aus Basel. «Wir konnten damit Menschen ansprechen, die Basel bisher nicht auf dem Radar hatten.»
Auch touristisch hat sich der Grossanlass gelohnt: Die Hotelauslastung stieg im Verlauf der Woche von 85 auf 95 Prozent. «Normal wären rund 60 Prozent in dieser Jahreszeit», so Letizia Elia. Besonders gefragt waren Unterkünfte nahe der offiziellen ESC-Zonen. Gleichzeitig betont die Basler Tourismusdirektorin: «Unsere Willkommenskultur hat sich bewährt – ein grosses Plus, auch für zukünftige Veranstaltungen.»
Hotellerie: Lernkurve und Lokalkolorit
Manuela Voser, General Manager im Volkshaus Basel, bestätigt diese Aussagen und spricht von einem «einmaligen Erlebnis». Die Auslastung lag ab Mitte Woche bei 100 Prozent, die Umsätze entsprachen den Erwartungen. «Wir durften Teil von etwas Grossem sein», so Voser. Besonders dankt sie ihrem Team: «Alle haben mitgezogen; mit beeindruckender Flexibilität, Einsatz und Herzblut.» Auch die Verankerung im städtischen Kontext sei zentral gewesen. «Bei solchen Grossanlässen zählt nicht nur das eigene Haus – man muss das grosse Ganze im Blick behalten.»
Detailhandel: Passantenfrequenz allein genügt nicht
Maren Gnädinger, Inhaberin der Schokoladenboutique xocolatl, zieht eine differenzierte Bilanz: «Wir hatten neue Gesichter im Laden – teils internationale Gäste. Gleichzeitig war es sehr warm, und unsere heissen Schokoladen liefen weniger gut.» Deswegen lag der Umsatz lag leicht unter jenem im Vorjahr. Gnädinger betont aber den langfristigen Wert: «Das Image von Basel profitiert. Und das Stadtmarketing macht einen hervorragenden Job – nicht nur am ESC, sondern das ganze Jahr hindurch.» Ein besonderes Lob geht an die Stadtreinigung: «Top-Arbeit! Die Stadt war immer gepflegt, trotz grossem Besucheraufkommen.»
Handwerk: Bereit, wenn’s brennt
Philipp Henz, Standortleiter der Heinrich Schmid AG und Präsident des Malermeisterverbands Basel-Stadt, war mit den Verbandsfirmen im Hintergrund aktiv: «Wir waren eine Woche lang auf Pikett – für Vandalismus oder kurzfristige Einsätze. Doch es war ruhiger als erwartet. Es gab weniger Schmierereien als befürchtet.» Die Organisation mit dem Tiefbauamt habe «absolut reibungslos» funktioniert.
Pop-up an der Riviera
Nicolas Grumbacher, Betreiber eines temporären Lokals (Pop-up) am Rhein, zeigt sich ebenfalls zufrieden: «Die Leute waren begeistert. Viele dachten, wir seien fix dort.» Für künftige Events wünschte sich Grumbacher aber einen Standort mit noch etwas mehr Frequenz. «Wir waren gut vorbereitet – und wurden in etwa auf halbem Weg zwischen unserem prognostizierten Minimal- und Maximalszenario belohnt.»
Apotheke: leicht erhöhte Kundenfrequenz
Lukas Meister, Geschäftsführer und Inhaber der Apotheke am Spalenberg, berichtet von leicht erhöhter Frequenz am Wochenende, insgesamt aber moderatem Einfluss: «Unser Geschäft lebt nicht vom Eventpublikum. Trotzdem war die Woche positiv: Die Stimmung war gut – und Veranstaltungen, die Menschen in die Stadt bringen, sind immer willkommen.»
Fazit positiv
Die ESC-Woche hat Basel gutgetan – auch dem Gewerbe. Wer direkt an der Hauptachse lag, konnte sehr konkret profitieren. Andere Betriebe erlebten vor allem die Atmosphäre – und sehen den langfristigen Nutzen in der gesteigerten Wahrnehmung Basels als lebendige, internationale Stadt, die auch grosse Events zu stemmen vermag.
Die Zusammenarbeit zwischen Stadt, Sicherheitskräften, Verwaltung und Gewerbe hat in der Wahrnehmung der Gewerbebetriebe ausgezeichnet funktioniert. Geschärft wurde auch das Bewusstsein dafür, was es für gelungene Grossanlässe braucht: gute Planung, klare Kommunikation und lokale Einbindung.
Beim lokalen Gewerbe jedenfalls ist die Vorfreude auf den nächsten grossen Auftritt bereits da. Und Basel hat gezeigt: Wir können das – das nächste Mal bereits anlässlich der Fussball-EM der Frauen im Juli 2025.