27.11.2025
Bund plant mehr Sonntagsverkäufe
Der Bund möchte die Zahl der Sonntage, an denen im Detailhandel ohne Bewilligung gearbeitet werden darf, von heute vier auf bis zu zwölf erhöhen. Der Gewerbeverband Basel-Stadt unterstützt diese Anpassung.
Der Bund beabsichtigt, die Regeln für Sonntagsarbeit im Detailhandel zu flexibilisieren. Künftig sollen die Kantone bis zu zwölf Sonntage pro Jahr freigeben können, an denen Arbeitnehmende ohne spezielle Bewilligung arbeiten dürfen. Der Gewerbeverband Basel-Stadt unterstützt diese Anpassungen im Rahmen der Vernehmlassung, um den stationären Handel nachhaltig zu stärken. Basel wird voraussichtlich aufgrund der nationalen Gesetzesanpassung nicht automatisch mehr Sonntagsverkäufe vorsehen. Trotzdem ist es wichtig, die Möglichkeit grundsätzlich zu schaffen und auf zukünftige Entwicklungen flexibel reagieren zu können.
Darum geht es bei der Gesetzesanpassung
Aktuell erlaubt das Schweizer Arbeitsgesetz vier Sonntage pro Jahr, an denen Arbeitnehmende ohne Bewilligung beschäftigt werden dürfen. Die Kantone entscheiden dabei autonom, wie viele dieser Tage sie tatsächlich nutzen. In Basel-Stadt finden zwei verkaufsoffene Sonntage statt, beide in der Adventszeit.
Die geplante Anpassung des Arbeitsgesetzes sieht vor, diese Zahl auf bis zu zwölf Sonntage zu erhöhen. Auch hier gilt: Es handelt sich um eine Möglichkeit, keine Pflicht für die Kantone. Ziel dieser Massnahme ist es, dem Detailhandel faire Wettbewerbsbedingungen zu ermöglichen und die Innenstädte zu beleben.
Der Detailhandel steht unter grossem Druck
Der stationäre Detailhandel ist momentan mit grossen strukturellen Herausforderungen konfrontiert. Dies zeigt sich auch deutlich am Verschwinden der Verkaufsstellen: Seit dem Jahr 2000 sind rund 28 Prozent aller physischen Geschäfte in der Schweiz verschwunden. Gleichzeitig wächst jedoch der Onlinehandel weiter. Zuletzt stieg der Umsatz um 500 Millionen auf insgesamt 14,9 Milliarden Franken an.
Dabei fällt auf, dass besonders der grenzüberschreitende Onlinehandel mit einem Zuwachs von 18 Prozent stark zulegt, während Bestellungen über .ch-Domains nur um 1 Prozent zunahmen1. Diese Entwicklung trifft vor allem KMU, die mit ihren fixen Öffnungszeiten gegenüber der ständigen Verfügbarkeit (24/7) der Online-Konkurrenz im Nachteil sind. Zusätzliche Sonntagsverkäufe stellen daher ein wichtiges Instrument dar, um die Wettbewerbsfähigkeit des lokalen Gewerbes wieder zu stärken.
Wichtige Bedeutung für Basel
Für Basel ist diese Anpassung aufgrund der besonderen Standortbedingungen besonders relevant. Die unmittelbare Nähe zu Deutschland und Frankreich führt zu einem intensiven Wettbewerb, da Kundinnen und Kunden Angebote über die Grenze hinweg direkt vergleichen können. Erweiterte Möglichkeiten für Sonntagsverkäufe tragen dazu bei, bestehende Nachteile auszugleichen und die Kaufkraft im Kanton zu halten.
Basel nutzt heute lediglich zwei verkaufsoffene Sonntage – beide in der Adventszeit – und zählt damit zu den restriktiveren Kantonen. Während des Eurovision Song Contest 2025 hat die Basler Regierung jedoch zusätzliche Sonntagsöffnungen ermöglicht. Die Erfahrungen aus dieser Zeit zeigen, dass internationale Gäste ein erweitertes Serviceangebot erwarten, zu dem auch Einkaufsmöglichkeiten am Sonntag gehören. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass solche Öffnungen positive Effekte für die gesamte regionale Wirtschaft haben. Viele Besucherinnen und Besucher verbinden ihren Einkauf mit einem Museums- oder Restaurantbesuch, was sowohl den Detailhandel als auch die umliegenden Gastronomie- und Kulturbetriebe stärkt.
Voraussichtlich wird Basel aufgrund der nationalen Gesetzesanpassung nicht automatisch mehr Sonntagsverkäufe vorsehen. Nichtsdestotrotz wäre es wünschenswert, die Möglichkeit grundsätzlich zu schaffen, damit Basel bei Bedarf künftig mehr Spielraum hat und flexibel auf Entwicklungen reagieren kann.
Der Gewerbeverband Basel-Stadt sieht in dieser Änderung des Arbeitsgesetzes ein wichtiges Mittel, um den Detailhandel in der Schweiz zu stärken. Wenn Arbeitnehmende statt vier künftig an bis zu zwölf Sonntagen ohne Bewilligung arbeiten dürfen, gibt das den Geschäften mehr Flexibilität. So können sie besser auf das heutige Konsumverhalten reagieren und bleiben im Wettbewerb, besonders gegenüber dem Onlinehandel.