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«Ich liebe das Arbeiten mit den Händen»

«Ich liebe das Arbeiten mit den Händen»

Iris Schor vom Verband Bekleidung und Couture Basel über das 100-jährige Bestehen und die Chancen lokaler Produktion.

Der sechste Textile Rundgang am 9. Mai 2026 bietet Einblicke in das regionale Schneiderhandwerk. In der Schlüsselzunft präsentieren Mitglieder ihre Arbeit. Trotz Herausforderungen bei der Nachwuchsrekrutierung setzt die Branche auf Nachhaltigkeit und die Vermittlung handwerklicher Perfektion, sagt Iris Schor, Präsidentin des Verbands Bekleidung und Couture Basel.

Der Verband Bekleidung und Couture Basel feierte 2025 sein 100-jähriges Bestehen. Welche Bedeutung hat dieser Meilenstein?

Iris Schor: Es ist ein schöner Zeitpunkt, das lange Bestehen des Verbandes zu feiern. Das regionale Handwerk hat wieder mehr an Bedeutung gewonnen. Vor allem in der Textilbranche, in der die Auswirkung von Fast Fashion und Überproduktion deutlich sichtbar wird. Viele Konsumentinnen und Konsumenten wollen wissen, wer hinter dem Produkt steht, welches sie erwerben wollen.

Am 9. Mai findet der sechste Textile Rundgang statt. Was erwartet die Besucherinnen und Besucher im historischen Zunftsaal der Schlüsselzunft?

Das vielseitige Angebot unserer Mitglieder. In ihren Ateliers werden individuelle Masskleidung, Haute Couture, Nähkurse, Trachtenhandwerk, Mode für Menschen mit Handycap, Reparaturen, Upcycling und nicht zu vergessen auch Fasnachtskostüme gefertigt. Geboten werden auch Einblicke in Lehrbetriebe, was uns ein wichtiges Anliegen ist.

Für den Rundgang wurden spezielle Stoffe in Pink und Orange produziert. Was war die gestalterische Idee?

Eines unserer Vorstandsmitglieder hatte die Idee im Rahmen ihrer Bachelorarbeit. Die Symbolik zeigt Basel und das Schneiderhandwerk. Der Umriss von Basel mit zwei überkreuzten Linien, in denen der Betrachter auch eine Schere oder zwei Stecknadeln sehen kann. Das Dessin wurde auf Stoffe aus Überproduktion gedruckt. Die daraus entstandenen Kreationen geben einen roten Faden durch die Ausstellung.

Mit welchen Herausforderungen ist Ihre Branche aktuell konfrontiert?

Eine zentrale Herausforderung ist die Rekrutierung des Nachwuchses. Handwerkliche Berufe stehen im Wettbewerb mit akademischen Laufbahnen und digitalen Berufsbildern. Die Komplexität unseres Handwerks wird oft unterschätzt. Hinzu kommt der strukturelle Wandel. Viele klassische Ateliers verschwinden und damit auch Ausbildungsplätze. Ausbildungsbetriebe stehen zudem unter wirtschaftlichem Druck, denn sie bilden in realen Produktionsprozessen aus, mit Umsatzvorgaben und Termindruck. Gleichzeitig liegt aber in Themen wie Nachhaltigkeit, Reparaturkultur und lokaler Produktion auch eine grosse Chance.

Was fasziniert Sie persönlich an Ihrem Beruf und an der Arbeit mit Textilien?

Ich liebe das Arbeiten mit den Händen und die Perfektion. Mein Beruf ist sehr vielseitig, von der Modellskizze und der Stoffwahl über das Erstellen des individuellen Schnittmusters und das Nähen mit den unterschiedlichsten Materialien und Verarbeitungstechniken.