27.08.2026
Interview: Solo, aber nicht allein
Unternehmer/-innen ohne eigene Angestellte machen einen wichtigen Anteil der Basler Wirtschaft aus. Doch sie werden kaum beachtet, sagt Reto Baumgartner.
Die Vielfalt an Solo-Selbstständigen ist in Basel gross. Sie reicht von der Physiotherapeutin über den Softwareentwickler bis zur Kunsthandwerkerin. In der Regel stehen diese Betriebe nicht im Rampenlicht, doch sie prägen das Basler Gewerbe. Umso wichtiger ist es, sie untereinander zu vernetzen und ihnen Support zu geben, denn die Herausforderungen für Solo-Selbstständige sind umfangreich, wie Gewerbedirektor Reto Baumgartner erläutert.
Reto Baumgartner, Einzelunternehmerinnen und -unternehmer sind überall anzutreffen. Welche Rolle spielen Solo-Selbstständige für Basel?
Reto Baumgartner: Eine viel grössere, als viele glauben. In der Schweiz verzeichnen wir seit Jahren eine Zunahme selbstständiger Erwerbsformen. Das gilt auch für Basel. Ob Grafikatelier, Coaching-Praxis oder IT-Beratung: Diese Mikrobetriebe bringen extrem viel Know-how in unsere Stadt. Sie sind Innovationsmotoren. Unterschätzt wird aber oft, wie hart dieses Pflaster ist. Der Median des AHV-pflichtigen Einkommens der Solo-Selbstständigen liegt bei gerade Mal 26 000 Franken.
Fällt dabei eine bestimmte Gruppe besonders auf?
Ja. Frauen sind in diesem Segment stark vertreten. Viele wählen die Solo-Selbstständigkeit, weil sie Arbeitszeiten und Familienpflichten flexibler kombinieren wollen. Das bringt aber Risiken mit sich, insbesondere bei Lücken in der Altersvorsorge oder bei der Absicherung gegen Erwerbsausfall.
Worin liegt für Einzelfirmen die grösste Hürde im Alltag?
In der Fülle der Aufgaben abseits der eigentlichen Aufgaben. Wer allein wirtschaftet, ist gleichzeitig Geschäftsleitung, Marketingabteilung, Buchhaltung, IT-Support und Putzdienst. Viele reiben sich an administrativen Pflichten auf. Steuern, Akquise und die Abwicklung von Kundenaufträgen laufen parallel. Bleibt dann die Auftragslage wegen neuer Technologien oder harter Konkurrenz am Markt aus, können solche Betriebe rasch unter Druck geraten.
Wo setzt das neue Projekt des Gewerbeverbands Basel-Stadt an?
Wir bieten Hand bei den drängendsten Problemen. Das Angebot startet mit einem vertraulichen Erstkontakt. Darauf folgt ein rund einstündiger, kostenloser Basis-Check zur Standortbestimmung. Identifizieren wir dort Lücken, geht es weiter in die Vertiefungsberatung zu Knackpunkten wie Risikovorsorge, Vorsorge der zweiten und dritten Säule, Positionierung oder Finanzen. Ergänzt wird das Ganze durch Vernetzungsangebote.
Warum engagiert sich der Basler KMU-Verband für Kleinstbetriebe ohne Personal?
Weil Selbstständige ohne Angestellte zu oft durch jegliches Raster fallen. Grosse Unternehmen verfügen über Fachabteilungen, aber Einzelkämpferinnen und -kämpfer stehen isoliert da. Wir wollen diese Isolation durchbrechen. Wir bieten ihnen eine verlässliche Anlaufstelle, damit ihr Unternehmen auf stabilen Beinen steht.
Für die Umsetzung arbeiten Sie mit einem Partner zusammen.
Richtig. Die Startup Academy bringt enorm viel Praxiserfahrung in der Begleitung von Firmengründungen und Kleinststrukturen mit. Sie führt auch ein Erstgespräch durch. Ermöglicht wird dieses Projekt aber erst durch die finanzielle Schützenhilfe der Christoph Merian Stiftung. Dafür gebührt der CMS ein grosser Dank.
Wie läuft der Austausch innerhalb der Community an?
Der Kick-off-Anlass vom 4. Juni 2026 im Volkshaus mit rund 60 Teilnehmenden hat gezeigt, wie gross das Bedürfnis nach Austausch ist. Darauf bauen wir auf. Die nächste abendliche Netzwerkveranstaltung findet am 5. November 2026 im Volkshaus Basel statt. Nebst Inputs zu Marketing und Kommunikation sowie Möglichkeiten zur Vernetzung gibt’s auch einen feinen Apéro Riche.