27.01.2026
Baustellen: Lausanne entschädigt Betriebe pragmatisch
Lausanne führt per Februar ein Entschädigungsmodell für Betriebe ein, die unter Langzeitbaustellen leiden. Das Modell hat für Basel Vorbildcharakter.
Infrastrukturprojekte sind notwendig. Die damit verbundenen Baustellen gefährden aber oft die Existenz lokaler Betriebe durch Frequenzverlust und erschwerte Erreichbarkeit.
Lausanne bietet hier ab dem 1. Februar 2026 eine einfache Entlastung: Betroffene Betriebe erhalten eine finanzielle Entschädigung, sofern städtische Bauarbeiten länger als drei Monate dauern. Das Modell sieht vor, dass die Stadt 50 Prozent der Monatsmiete übernimmt, begrenzt auf 3000 Franken pro Monat. Damit ist das Modell also klar auf KMU ausgerichtet.
Anspruchsberechtigt sind Betriebe mit maximal drei Standorten in der Stadt. Lausanne investiert dafür jährlich rund 3 Millionen Franken. Flankiert wird die Hilfe durch eine verbesserte Signalisierung während der Bauphase sowie gezielte Vermarktungsaktionen nach dem Abschluss der Arbeiten.
Ein solches Modell der Baustellen-Entschädigung ist ein faires Instrument, um die wirtschaftliche Substanz der KMU während notwendiger Sanierungen zu schützen. Das Lausanner Modell könnte auch für Basel ein Beispiel sein.
Heute haben baustellenbetroffene Unternehmen in Basel-Stadt zwar theoretisch Anspruch auf Entschädigung, die Hürden dafür sind aber sehr hoch: Ein Betrieb muss mindestens sechs Monate lang nachweisen, dass er durch eine Baustelle direkt und ununterbrochen beeinträchtigt ist, und gleichzeitig einen Umsatzrückgang von mindestens 20 Prozent belegen. Für viele KMU ist das unrealistisch – sie geraten schon früher unter Druck.
Zurzeit ist ein Vorstoss für erleichterte Entschädigungen hängig: Der Grosse Rat hat im November 2025 eine Motion von Alex Ebi (LDP) überwiesen. Diese fordert von der Regierung, dass sie einen Unterstützungsfonds für baustellengeschädigte Unternehmen ausarbeiten und in einer Pilotphase testen lässt. Die Regierung muss sich innerhalb von drei Monaten äussern, bevor die Motion erneut im Parlament behandelt wird.
Eine pragmatische Lösung wie in Lausanne ist dringend gefordert, um KMU im Kanton Basel-Stadt schnell und unkompliziert zu entlasten. Vor allem die rasche Auszahlung von Entschädigungen ohne jahrelange Nachweishürden würde betroffene Betriebe entlasten und dazu beitragen, dass die Bevölkerung Baustellen besser akzeptiert. Der Gewerbeverband Basel-Stadt fordert nun von der Basler Regierung, dass sie einen Blick nach Lausanne wirft und auch in Basel den Weg für eine pragmatische Baustellenentschädigung frei macht.