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«Die Mobilitätswende ist eine vielfältige Aufgabe»

«Die Mobilitätswende ist eine vielfältige Aufgabe»

Das BSB (Bürgerspital Basel) erarbeitet aktuell ein ganzheitliches Mobilitätskonzept. Laut Sandra Ramme, Leiterin Nachhaltigkeit, stehen unter anderem die Elektrifizierung des Fuhrparks sowie ressourcen-schonende Anfahrtswege für die Mitarbeitenden im Fokus.

«kmu news»: Frau Ramme, was war Ihre Hauptmotivation, an der Weiterbildung «Mobilitätsmanagement für KMU» beim Gewerbeverband Basel-Stadt teilzunehmen?
Sandra Ramme: Für die Weiterbildung habe ich mich in erster Linie entschieden, da das BSB aktuell ein Mobilitätskonzept für den betrieblichen Fuhrpark sowie die Mitarbeiteranfahrt erarbeitet. Viele daraus resultierende Massnahmen, wie bspw. die Elektrifizierung des Fuhrparks, sind kostenintensiv. Durch den Beitrag von Simon Kettner, Projektleiter Mobilitätsstrategie des Bau- und Verkehrsdepartements Basel-Stadt, wurde mir im Rahmen der Weiterbildung ein guter Überblick über die diversen Fördermöglichkeiten für Unternehmen durch den Kanton Basel-Stadt vermittelt.

Wo stehen Sie aktuell beim Thema Mobilitätsmanagement?
Mobilitätsmanagement ist kein neues Thema für das BSB – in den letzten Jahren hat sich der Handlungsdruck jedoch erhöht. Zum einen möchte das BSB im Rahmen seiner Nachhaltigkeitsstrategie zu einer lebenswerten Zukunft in Basel beitragen, wobei ressourcenschonende Mobilität ein zentraler Hebel ist, und zum anderen verfolgt auch der Kanton Basel-Stadt klare Ziele mit der Förderung von emissionsarmen Verkehrsmitteln, was wiederum auch auf das BSB Auswirkungen haben wird. Diese Entwicklungen haben uns dazu bewogen, das Thema strategisch neu zu denken und ein umfassendes, ganzheitliches Mobilitätskonzept zu erarbeiten. Gleichzeitig beobachten wir, dass Mitarbeitermobilität zunehmend ein relevanter Bestandteil eines attraktiven Benefit-Angebots ist.

Das BSB hat als Grossarbeitgeber eine enorme Hebelwirkung. Wo setzen Sie aktuell die Schwerpunkte bei der Umsetzung eines Mobilitätskonzepts?
Im Rahmen unseres Mobilitätskonzepts wollen wir vorwiegend zwei Themen adressieren: die Elektrifizierung unseres betrieblichen Fuhrparks sowie die Förderung einer ressourcenschonenden Anfahrt der Mitarbeitenden. Die Elektrifizierung des Fuhrparks bedingt neben der Schaffung der Infrastruktur beim BSB auch eine Lösungsfindung für Spezialfahrzeuge, welche in unseren Betrieben und Wohneinrichtungen im Einsatz sind. Bei der Mitarbeiteranfahrt liegt die Herausforderung darin, auch unseren Mitarbeitenden aus den Nachbarländern sowie denjenigen, welche im Schichtdienst tätig sind, gerecht zu werden.

Setzt Ihr Konzept stärker auf bauliche Massnahmen vor Ort oder auf finanzielle Anreize wie Job-Tickets oder Parkplatzgebühren?
Unser Mobilitätskonzept befindet sich aktuell noch in der Entwicklung. Im Bereich der Mitarbeitermobilität werden sicherlich sowohl bauliche Massnahmen als auch finanzielle Anreize erfolgen. Das BSB bietet bereits heute diverse Benefits für Mitarbeitende an – so werden neben dem Job-Ticket auch Reka-Checks vergünstigt abgegeben, welche wiederum für den Erwerb eines ÖV-Abonnements eingesetzt werden können.

Inwiefern kann ein Mobilitätskonzept auch zur Attraktivität als Arbeitgeber beitragen?
Ein durchdachtes Mobilitätskonzept erleichtert Mitarbeitenden ganz konkret den Arbeitsalltag, etwa durch flexible Pendeloptionen oder finanzielle Unterstützung für umweltfreundliche Verkehrsmittel – das steigert die Zufriedenheit der Mitarbeitenden und trägt zu ihrer Bindung bei. Gleichzeitig kann dadurch im Recruiting ein echter Mehrwert geschafft werden, da v.a. jüngere Talente häufig höheren Wert auf Flexibilität und Nachhaltigkeit legen. Unternehmen können so ihre Arbeitgebermarke glaubwürdig stärken, indem sie zeigen, dass sie Verantwortung für Umwelt und Work-Life-Balance übernehmen.

Veränderungen beim Arbeitsweg sind oft sehr persönlich und emotional. Welche Wege nutzen Sie, um die Mitarbeitenden auf diese Reise mitzunehmen?
Ich kann gut nachvollziehen, dass Veränderungen beim Arbeitsweg viele Emotionen auslösen. Sicher ist, dass die Förderung einer ressourcenschonenden Mitarbeiteranfahrt massgeblich durch positive Anreize und weniger durch Verbote möglich ist. Wichtig ist hierbei auch, dass Mitarbeitende eine Wahlfreiheit haben und nicht einer Bandbreite an Mitarbeitenden eine einzige Lösung aufgezwungen wird. Als Vorbereitung auf unser Mobilitätskonzept haben wir im Rahmen einer Mobilitätsumfrage unsere Mitarbeitenden zu ihrem täglichen Arbeitsweg, möglichen Anreizen und Herausforderungen befragt und stehen auch jetzt während der Konzeptionierung im Austausch mit unseren beiden Geschäftsfeldern Betreuung Betagte und Integration.

Der Kanton Basel-Stadt unterstützt Unternehmen aktiv bei der Mobilitätswende. Konnten Sie für das BSB-Konzept bereits konkrete Fördergelder identifizieren?
Das BSB konnte beim Kanton Basel-Stadt einen Förderantrag für die Erarbeitung des Mobilitätskonzepts sowie für Massnahmen zur Kommunikation und Sensibilisierung stellen, welcher auch bewilligt wurde. Wir freuen uns sehr über die Unterstützung des Kantons, denn die Mobilitätswende ist eine vielfältige Aufgabe – für den Kanton, Unternehmen und Privatpersonen gleichermassen.

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen bei der Implementierung, eher die technische Infrastruktur oder der kulturelle Wandel in den Köpfen der Mitarbeitenden?
Beide Herausforderungen sind von zentraler Bedeutung. Nicht zu unterschätzen sind jedoch auch die Investitionen sowie steigenden Betriebskosten, welche mit der Implementierung eines umfassenden Mobilitätskonzepts einhergehen. Der kulturelle Wandel wird auch im BSB schlussendlich entscheidend für die erfolgreiche Implementierung unseres zukünftigen Mobilitätskonzepts sein.