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Arbeitskräftemangel – Neue Wege für das Baugewerbe

Arbeitskräftemangel – Neue Wege für das Baugewerbe

Wenn die Baustelle stillsteht, weil die Kita zu ist, wird klar: Das Baugewerbe muss umdenken. Ein Fachanlass zeigte, wie flexible Modelle Fachkräfte sichern können – und was noch fehlt.

Der Arbeitskräftemangel zwingt auch das Baugewerbe, alte Muster zu überdenken und neue Wege zu gehen. So lautete das Fazit einer Veranstaltung des Gewerbeverbands Basel-Stadt und der Fachstelle Gleichstellung des Kantons Basel-Stadt vom 15. September im Rialto.

Nach der Begrüssung durch Leila Straumann und Reto Baumgartner zeigte die Fachstelle UND auf, wie sehr sich die Situation zugespitzt hat: Offene Stellen bleiben unbesetzt, die Erwartungen junger Menschen an ihre Arbeitgebenden verändern sich, und Frauen sind in vielen handwerklichen Berufen weiterhin die Ausnahme. «Ein Kulturwandel ist nötig, wenn Berufe auch für die nächste Generation attraktiv bleiben sollen», betonte Birgit Lauber in ihrer Keynote.

Starke Praxisbeispiele

Wie unterschiedlich die Antworten aus der Praxis aussehen können, machten vier Betriebe deutlich. Stefan Waldhauser von der Waldhauser + Hermann AG berichtete vom erfolgreichen Wiedereinstieg einer Mitarbeiterin nach einer familienbedingten Pause – mit reduziertem Pensum und neuer Funktion. Giulia Pessi, Inhaberin des Maleratelier Pessi, schilderte ihre langjährige Erfahrung mit Teilzeitmodellen. Beide betonten, wie wichtig eine transparente und vertrauensvolle Kommunikation ist.

Michel Schwarzentruber, Geschäftsführer der Holzwerk AG, berichtete von einem mehrjährigen Prozess: Drei Jahre dauerte die Umstellung hin zu mehr Selbstorganisation – getragen von einem starken Teamspirit, der heute die Basis für den Erfolg bildet. Doris Basile, HR Business Partnerin der Frutiger Gruppe, zeigte auf, wie auch ein grösseres Unternehmen Vereinbarkeit gezielt fördert – etwa mit Vaterschaftsurlaub, Jobsharing, familienfreundlicher Urlaubsplanung und Homeoffice.

Arbeitskräftemangel und Kulturwandel

In den World Cafés wurde deutlich, dass sich die Erwartungen der jungen Generation stark verändern. Viele wünschen sich Teilzeitpensen – sei es für eine berufsbegleitende Ausbildung oder für mehr Freiraum ausserhalb der Arbeit. Damit dies gelingt, braucht es eine Unternehmenskultur, die Mitsprache zulässt und Veränderungen unterstützt. Gleichzeitig wurde die Sorge laut, dass steigende Kosten zur Belastung werden könnten, wenn künftig immer mehr Mitarbeitende Teilzeit arbeiten wollen.

Am meisten zu reden gab das Thema Teilzeit in Führungsfunktionen. Während einige Betriebe mit Job-Sharing bei Projektleitenden bereits gute Erfahrungen gesammelt haben, herrscht andernorts Zurückhaltung. «Wagen, probieren, inspirieren», lautete eine zentrale Botschaft – verbunden mit dem Hinweis, dass die Machbarkeit stark vom Arbeitsinhalt abhängt.

Vom Prinzip zur Praxis

Teilzeit darf nicht in einer Sackgasse enden. Neben der klassischen Führungslaufbahn braucht es attraktive Fachlaufbahnen, damit qualifizierte Mitarbeitende sich entwickeln können, ohne zwingend eine Führungsfunktion zu übernehmen. Diskutiert wurde zudem, wie Einsatzplanung gelingt, wenn immer mehr Mitarbeitende Teilzeit arbeiten, welche Rolle Springer bei kurzfristigen Absenzen spielen können oder wie Mehrarbeit in Vorleistung ermöglicht, dass Mitarbeitende flexibel Termine wie Arztbesuche wahrnehmen können.

Beim Thema Hitzetage wurde klar: Hier sind nicht nur die Betriebe gefordert – auch die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, damit flexible Arbeitszeiten auf Baustellen möglich werden. Offen angesprochen wurden zudem Aspekte wie der weibliche Zyklus.

Aufbruch statt Patentrezepte

Ein Patentrezept gibt es nicht. Die Zukunft liegt in flexiblen Arbeitsmodellen, die Fach- und Führungskompetenzen verbinden, Mitsprache ermöglichen und den Realitäten der jungen Generation gerecht werden. Die Umsetzung ist anspruchsvoll und muss je nach Art und Grösse des Unternehmens individuell erfolgen. Die Diskussion zeigte jedoch klar: Viele Betriebe sind bereit, diesen Weg zu gehen.

Weiterführende Links

Fachstelle UND
Pro Familia: Beratung / Family Score
Familienfreundliche Wirtschaftsregion Basel
Job & Life
KMU Handbuch Seco (Download)
Praxisbeispiele Seco (Download)
Infra Suisse Leitfaden: Langversion / Kurzversion
Merkblatt Elternzeit Kanton Basel-Stadt, Förderbeiträge
KMU-Konkret
Ratgeber des Kantons Basel-Stadt zum Bundesgesetz über die Gleichstellung von Frau und Mann
Fachstelle Gleichstellung des Kantons Basel-Stadt
E-Mail: gleichstellung@bs.ch