22.09.2026
Geldnot bei Angestellten früh erkennen
Private Schulden belasten Mitarbeitende und können auf die Leistung drücken. Jürg Gschwend, Stellenleiter der Schuldenberatung Plusminus, erklärt, wie Arbeitgebende rechtzeitig reagieren können.
Jürg Gschwend, was genau bietet Plusminus den KMU-Unternehmer/-innen an?
Jürg Gschwend: Wir beantworten Unternehmen aus dem Kanton Basel-Stadt Fragen zur Verschuldung von Mitarbeitenden kostenlos. Die häufigsten Fragen von Arbeitgebenden sind: Welche Möglichkeiten gibt es bei einer privaten Verschuldung? An welche Beratungsstelle kann sich eine verschuldete Person wenden?
Weshalb hat Plusminus dieses Angebot geschaffen?
Uns ist wichtig, dass Unternehmen gut darüber informiert sind, was Mitarbeitende bei einer privaten Verschuldung unternehmen können. So können sie verschuldete Mitarbeitende an die passende Beratungsstelle verweisen und haben eine Vorstellung davon, welche Möglichkeiten betroffenen Mitarbeitenden offenstehen.
Weshalb sollten sich Vorgesetzte für die finanzielle Situation ihrer Mitarbeitenden interessieren?
Finanzielle Probleme können zu gesundheitlichen Problemen führen und die Arbeitsleistung beeinträchtigen. Häufig sind Betroffene über Beratungs- und Unterstützungsangebote nicht informiert oder tun sich schwer damit, diese in Anspruch zu nehmen. Das hat oft auch mit Scham zu tun. Vorgesetzte können dazu beitragen, dass Mitarbeitende diese Angebote kennen und möglichst frühzeitig nutzen. Denn je früher Hilfe nachgesucht wird, umso einfacher ist es, Lösungen zu finden.
Woran erkennt man, dass ein Mitarbeitender oder eine Mitarbeitende in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist?
Gesuche um Lohnvorschüsse sind ein Indiz für finanzielle Schwierigkeiten. Das gilt insbesondere bei wiederholten Gesuchen innerhalb kurzer Zeit. Lohnpfändungen sind in der Regel ein deutliches Zeichen für finanzielle Probleme und den Bedarf nach Beratung.
Können Unternehmen auch präventive Massnahmen ergreifen?
Unternehmen können beispielsweise im Intranet auf die wichtigsten Sozialleistungen sowie Beratungs- und Unterstützungsangebote hinweisen. Damit können sie dazu beitragen, dass Mitarbeitende mit knappen finanziellen Mitteln über Leistungen wie Prämien- und Mietbeiträge sowie über Beratungsangebote informiert sind und diese bei Bedarf in Anspruch nehmen. Mit dem digitalen Beratungsfinder für Budget- und Schuldenfragen unter www.beratungsfinder-bs.ch gibt es in Basel-Stadt ein Tool, mit dem sich einfach und schnell die passende Beratungsstelle finden lässt. Ein anderes Angebot ist der Infoladen von Plusminus. Hier werden kostenlose Kurzberatungen ohne vorherige Anmeldung für die Einwohnerschaft von Basel-Stadt angeboten.
Über Plusminus
Die Budget- und Schuldenberatung Plusminus wird getragen vom gemeinnützigen Verein «Budget- und Schuldenberatung Basel». Dieser Verein wird von der Christoph Merian Stiftung, dem Kanton Basel-Stadt und von der GGG Basel finanziell unterstützt.
www.plusminus.ch